Von 3 auf 30 Prozent: Das Muster, das die AfD so stark macht

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Von 3 auf 30 Prozent: Das Muster, das die AfD so stark macht
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Die AfD erreicht in Umfragen auf Bundesebene 30 Prozent. Beim Blick auf Werte und Wahlergebnisse der Partei seit ihrer Gründung wird ein Muster deutlich.

Die AfD erreicht in Umfragen auf Bundesebene 30 Prozent. Beim Blick auf Werte und Wahlergebnisse der Partei seit ihrer Gründung wird ein Muster deutlich.des Meinungsforschungsinstituts Insa die 30-Prozent-Marke erreicht.

Der Wert hat Symbolkraft. Mit den AfD-Wahlergebnissen und Umfragewerten ging es in den 13 Jahren seit ihrer Gründung zwar auf und ab. Politische Krisen verschafften der Partei aber immer wieder neuen Auftrieb, wobei sie sich nach Rückschlägen jeweils stärker erholte und jede Talsohle höher lag als die vorherige. Ein halbes Jahr nach ihrer Gründung im Februar 2013 verfehlt die „Alternative für Deutschland“ im September 2013 relativ knapp mit 4,7 Prozent den Einzug in den Bundestag.

Gegründet worden war sie als Gegenentwurf zur von Kanzlerin Angela Merkel als alternativlos bezeichneten Euro-Rettungspolitik. Nach ersten Landtagseinzügen im Osten steigt sie 2014 bundesweit auf rund acht Prozent. Mit dem Abklingen der Euro-Rettungsdebatte und einem internen Machtkampf um Parteigründer Bernd Lucke folgt eine Schwächephase. Im Sommer 2015 steht die AfD bei nur drei Prozent.

Doch so tief wird sie nicht wieder sinken.

„Nein, wir wollen das gar nicht schaffen“, antwortet AfD-Mitgründer Alexander Gauland auf Merkels „Wir schaffen das“ im Sommer der Flüchtlingskrise. 2016 steigen die bundesweiten Umfragewerte der AfD auf um die 14 Prozent. Migration wird zu ihrem Kernthema und verdrängt den Euro. Im Jahr darauf gehen die AfD-Zahlen zunächst wieder deutlich nach unten, während die SPD im Bundestagswahlkampf vorübergehend vom „Schulz-Effekt“ ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz profitiert.

Doch tiefer als sieben bis acht Prozent sinkt die AfD nicht mehr und bei der Wahl im September 2017 schafft sie mit 12,6 Prozent erstmals den Einzug ins bundesdeutsche Parlament. Die Bildung einer sogenannten Jamaika-Regierung aus Union, Grünen und FDP scheitert, CDU/CSU und SPD zwingen sich erneut in eine „GroKo“. Kanzlerin Angela Merkel streitet mit CSU-Chef Horst Seehofer über Asylpolitik. Die AfD legt deutlich zu und klettert 2018 auf über 16 Prozent.

Der damalige Bewerber um den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, sagt in „Bild“: Kurzfristig bekomme man die AfD nicht weg, „aber halbieren kann man sie“. Ab 2019 kommt es tatsächlich zu einer längeren Seit- und Abwärtsbewegung bei den AfD-Werten. Das Migrationsthema verliert an Dominanz, Klimaschutz rückt mit Fridays for Future nach vorn und die Grünen profitieren. Der Verfassungsschutz nimmt die AfD wegen Rechtsextremismusverdachts ins Visier.

In der Corona-Pandemie von Frühjahr 2020 bis Sommer 2022 verharrt die Partei, die sich gegen harte staatliche Corona-Maßnahmen stellt, bei 8 bis 11 Prozent. Das Ergebnis bei der Bundestagswahl 2021 fällt mit 10,4 Prozent schlechter aus als vier Jahre zuvor. Dennoch geht es nicht mehr zurück auf die Niedrigwerte früherer Jahre. Ab Sommer 2022 zieht die AfD-Umfragekurve wieder nach oben.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine prägen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit das politische Klima. Die AfD ist gegen Militärhilfen für das angegriffene Land und prangert die Energiepolitik der Regierung an. 2023 kommt es zum Aufschrei wegen des Heizungsgesetzes der Ampel, und stark steigende Asylzahlen bringen das Migrationsthema zurück. Die AfD erreicht in Umfragen erstmals bundesweit 20 Prozent und klettert schließlich auf bis zu 23 Prozent. 2024 kommt der nächste Einbruch.

Die Plattform „Correctiv“ veröffentlicht einen Bericht über ein Treffen rechter Kreise in Potsdam mit dem Schlagwort „Remigration“. Es folgen Großdemonstrationen im ganzen Land.zur Europawahl, Maximilian Krah, sorgen für Dämpfer. Doch die Umfrage-Talsohle ist dieses Mal schon bei 15 bis 16 Prozent erreicht und es dauert nicht lange, bis die AfD wieder steigt. Nach dem Bruch der Ampel verdoppelt sie bei der Bundestagsneuwahl im Februar 2025 mit 20,8 Prozent ihr Ergebnis.

„Man wollte uns halbieren, das Gegenteil ist eingetreten“, sagt Parteichefin Alice Weidel und prophezeit am Wahlabend: „In den nächsten Jahren werden wir die Union überholen“. Alice Weidel, Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidatin der AfD, spricht bei der Wahlparty der AFD in der AfD Bundesgeschäftsstelle. Am Sonntag fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt.

In einigen Umfragen geht es schneller: Keine zwei Monate nach der Wahl zieht die AfD erstmals mit der Union gleich oder sogar an ihr vorbei. Seit Frühjahr dieses Jahres hat sie sich vorn festgesetzt und inzwischen - wenn auch noch nicht in allen Umfragen - die 30-Prozent-Marke erreicht, der nächste Wert mit Symbolkraft nach den Rekordergebnissen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern . Die stetige Aufwärtsentwicklung erklären Experten mit zunehmender Stammwählerschaft und Normalisierung.

„Menschen, die die AfD wählen, gehen der Partei oft auch dann nicht von der Fahne, wenn es einen Skandal um die Partei gibt“, sagt der in Halle lehrende Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky. „Das liegt entweder daran, dass sie die Negativschlagzeilen über die AfD nicht glauben oder daran, dass es keine andere Partei gibt, von der sie sich vertreten fühlen.

“ Er sieht eine Normalisierung von AfD-Positionen „durch die Parteien der politischen Mitte, teilweise auch eine Annäherung an ihre Sprache, insbesondere in der Migrationspolitik“. Davon profitiere am Ende die AfD, weil sie für mehr Menschen wählbar werde. Der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer sagt, die AfD habe sich in ihrer inzwischen 13-jährigen Geschichte einen Stamm von Anhängern aufgebaut, die sich der Partei eng verbunden fühlten.

Sie habe zudem ein Thema exklusiv besetzen können: „Wer gegen die Ukraine-Hilfen war, hatte zumindest bis zur Gründung des BSW eigentlich keine andere parteipolitische Alternative“. Arzheimer erkennt schließlich ab 2023, „obwohl immer mehr über extremistische Tendenzen in der Partei bekannt wird“, eine Normalisierung der AfD, ihrer Themen und auch ihrer Rhetorik.

„Auch das trägt dazu bei, dass der Sockel der Unterstützung angewachsen ist. “

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