Viele wohlhabende Amerikaner beantragen ihre Staatsrente bewusst erst mit 70. Wer zunächst von Erspartem lebt, kann sich dadurch dauerhaft deutlich höhere Zahlungen sichern.
Viele wohlhabende Amerikaner beantragen ihre Staatsrente bewusst erst mit 70. Wer zunächst von Erspartem lebt, kann sich dadurch dauerhaft deutlich höhere Zahlungen sichern. Für deutsche Rentner klingt die Strategie zunächst merkwürdig: Vermögende Amerikaner verzichten bewusst mehrere Jahre auf ihre staatliche Rente – obwohl sie sie bereits beziehen könnten.
Stattdessen leben viele zwischen 65 und 70 zunächst von ihrem privaten Vermögen, wie das US-Portal '247wallst' berichtet. Der Grund: Wer in den USA später in Rente geht, erhält dauerhaft deutlich höhere staatliche Zahlungen. In Finanzkreisen wird das Modell deshalb immer beliebter. Das US-System funktioniert völlig anders als in DeutschlandIn Deutschland basiert die Rente vor allem auf der gesetzlichen Versicherung über die Deutsche Rentenversicherung.
In den USA dagegen besteht die Altersvorsorge oft aus mehreren Bausteinen:der staatlichen „Social Security“privaten Vorsorgekonten wie dem sogenannten 401zusätzlichen Investments etwa in Aktien oder ImmobilienVor allem wohlhabende Amerikaner nutzen diese Kombination inzwischen gezielt für ihre Ruhestandsplanung. Drei Jahre später können rund 24 Prozent mehr Rente bringenAnders als in Deutschland können Amerikaner relativ flexibel entscheiden, wann sie ihre staatliche Rente beantragen. Wer wartet, bekommt mehr Geld. Das reguläre Rentenalter liegt derzeit meist bei etwa 67 Jahren.
Wer die Zahlungen aber erst mit 70 startet, erhält pro Jahr rund acht Prozent Zuschlag. Insgesamt steigt die monatliche Rente dadurch um etwa 24 Prozent. Das Finanzportal „247wallst“ nennt das Beispiel eines Ehepaars, das statt 6600 Dollar monatlich später rund 8184 Dollar erhalten würde. Und zwar: lebenslang und inklusive Inflationsanpassungen.
Warum sich das vor allem für Wohlhabende lohntDer entscheidende Punkt:Die Jahre ohne staatliche Rente muss man sich leisten können. Viele Amerikaner können das nicht. Wohlhabende Rentner dagegen häufig schon. Sie finanzieren die Zeit bis 70 etwa über:AktienvermögenImmobilienFondsoder große Guthaben in privaten RentenkontenIm Prinzip tauschen sie also:weniger Vermögen heute gegen höhere garantierte Zahlungen im Alter.
Der eigentliche Vorteil liegt oft bei den SteuernFür viele Finanzberater steckt der wahre Nutzen aber an anderer Stelle. Zwischen dem Renteneintritt und dem Start der Sozialversicherung entsteht ein Zeitfenster, in dem sich Vermögen steuerlich günstiger umschichten lässt. Dadurch versuchen manche:spätere Steuerlasten zu senkenPflichtauszahlungen im Alter zu reduzierenoder höhere Krankenversicherungsbeiträge zu vermeidenGerade in den USA spielt diese Steuerplanung eine deutlich größere Rolle als im deutschen Rentensystem.
Für deutsche Rentner ist das Modell kaum übertragbarZwar gibt es auch in Deutschland Zuschläge für späteren Renteneintritt. Das deutsche System funktioniert aber deutlich anders:Die gesetzliche Rente basiert stärker auf festen Beiträgen und weniger auf individueller Vermögens- und Steuerplanung. Vor allem fehlt vielen Menschen das große Privatvermögen, um mehrere Jahre freiwillig auf Rentenzahlungen zu verzichten. Die Strategie bleibt deshalb vor allem ein Modell für vermögende Amerikaner.
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