Aus Angst vor digitaler Gewalt verändern viele Frauen ihr Verhalten im Netz. Hat der Fall Fernandes/Ulmen etwa nichts geändert?
Aus Angst vor digitaler Gewalt verändern zwei Drittel der Frauen ihr Verhalten im Netz. Hat der Fall Fernandes/Ulmen etwa nichts geändert?unter 1.380 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren.
Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 76 Prozent, die sich aus digitalen Räumen zurückziehen. -Aktivitäten, um sich zu schützen. 67 Prozent vermeiden es, Bilder, Videos oder persönliche Informationen in den sozialen Medien zu teilen - auch aus Angst vor sexualisierten-Darstellungen. Die Sorge davor ist nicht unbegründet: 13 Prozent der befragten Frauen haben bereits mit Deepfakes negative Erfahrungen gemacht, bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 21 Prozent. Dass sich Frauen aus dem Netz zurückziehen,".
Es sei ein Zeichen dafür, dass man es nicht geschafft habe, diesen Raum für alle Menschen sicher zu machen. Und nicht nur das. Laut dem Deutschen Frauenrat handelt es sich beim kollektiven Verstummen von Frauen im Netz um ein"". So oder so zeigt die Befragung eines: Bei digitaler Gewalt gegen Frauen geht es nicht um Einzelfälle.
Und doch sind es genau solche, die die größte mediale Aufmerksamkeit erhalten und dieSo wie bei Collien Fernandes: Die Schauspielerin und Moderatorin richtet seit einiger Zeit öffentlich Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, über die zuerst der"-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Ulmen hat Teile der Berichterstattung gerichtlich angefochten. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Die Vorwürfe gegen Ulmen lösten eine breite Debatte um digitale Gewalt gegen Frauen aus und führten zu zahlreichen Demonstrationen in mehreren deutschen Städten. Auch von der Politik wurde das Thema auf die Agenda gesetzt. Mitte April legte Justizministerin Stefanie Hubig (Mit dem neuen Gesetz soll das Strafrecht verschärft werden. Dabei werden unter anderem sexualisierte Deepfakes in den Blick genommen, um Lücken im Strafrecht zu schließen.
Außerdem sollen Opfer digitaler Gewalt über das Zivilrecht selbst leichter gegen Urheber vorgehen und gerichtlich auchPassiert ist seit der Vorstellung des Gesetzentwurfs allerdings wenig. In den Bundestag eingebracht wurde er bislang nicht, ein Zeitplan für das parlamentarische Verfahren ist ebenfalls nicht bekannt. Ohnehin mehren sich - trotz einer insgesamt positiven Resonanz - die Stimmen, die den Entwurf für nicht weitreichend genug halten.
So setzt sich die Frauen-Union der für ein noch härteres Vorgehen gegen digitale Gewalt ein, als im Gesetzentwurf der Bundesregierung geplant. Nach Ansicht der Frauen-Union muss ein eigenständiger Straftatbestand für digitale Gewalt geschaffen werden. Dieser müsse alle Formen bildbasierter, sexuell diffamierender Gewalt umfassen wie beispielsweise Deepfakes in Echtzeit, Darstellungen auf Plattformen, manipulierte Bilder, Stimmklone und holographische Manipulationen.
Außerdem brauche es ein bundesweit einheitliches und digitales Anzeigeverfahren. Zudem müsse digitale Gewalt in die polizeiliche Kriminalstatistik aufgenommen werden. Das Problem ist, dass unsere Sicherheitsbehörden im Prinzip noch sehr auf den föderalistischen Charakter im Netz setzen. Wir müssten eigentlich tatsächlich Strukturen noch viel stärker in den digitalen Raum verlagern, um diesen Angriffen und der niedrigen Hemmschwelle etwas entgegenzusetzen.
Deshalb berät am Donnerstag auch der Medienausschuss des NRW-Landtags darüber, wie sich sexualisierte Gewalt im digitalen Raum bekämpfen lässt. Als Sachverständige ist auch Collien Fernandes vertreten. Zur Debatte steht unter anderem eine allgemeine Klarnamenpflicht, also die Pflicht, im Netz den echten Namen anzugeben. In Hubigs Gesetzentwurf ist eine solche Maßnahme nicht vorgesehen - und auch die NRW-Landesregierung verweist auf verfassungsrechtliche Vorgaben sowie mögliche Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit und den Schutz von Nutzerinnen und Nutzern.
Insgesamt hat sich seit den Vorwürfen von Fernandes gegen Ulmen in Deutschland also kaum etwas getan - auch wenn über 90 Prozent der Frauen laut der Befragung des Frauenrats einen besseren rechtlichen Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt fordern.
"Immerhin, sagt Rüdiger, sei durch den Fall Fernandes/Ulmen die Sensibilität für das Thema gestiegen. " Was man aus meiner Sicht feststellen kann, ist, dass die Aufmerksamkeit mittlerweile stärker darauf gerichtet ist und dass es nicht mehr ganz so überraschend ist, wenn man darüber berichtet, dass das Netz von vielen als rechtsfrei wahrgenommen wird. Heute wird in Münster der Preis des Westfälischen Friedens verliehen. Einer der Preisträger ist die NATO - alles dazu im Ticker.
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