Leser diskutieren über die Erbschaftslücke zwischen Ost und West, die DDR-Vergangenheit und die Aussagekraft der Statistik.
Bei steuerlich erfassten Erbschaften und Schenkungen liegen zwischen Ost und West weiterhin Welten. Leser streiten darüber, ob vor allem die DDR-Vergangenheit den Abstand erklärt – oder ob die Zahlen selbst zu kurz greifen.
In Westdeutschland haben die Finanzämter 2025 Erbschaften und Schenkungen im Wert von 142,5 Milliarden Euro erfasst, in den ostdeutschen Ländern und Berlin waren es acht Milliarden Euro. Im Leserforum wird vor allem die Frage diskutiert, wie viel dieser Abstand noch auf die unterschiedlichen Wirtschaftssysteme vor 1990 zurückgeht. Während viele Leser auf Enteignungen, geringe Eigentumsbildung und fehlende Unternehmervermögen in der DDR verweisen, halten andere bereits den direkten Vergleich der Gesamtsummen für verkürzt.
Wieder andere erinnern an die finanziellen Transfers seit der Wiedervereinigung oder stellen grundsätzlich infrage, welche Rolle Erbschaften für persönliche Aufstiegschancen spielen sollten. Viele Leser sehen die Ursache der unterschiedlichen Erbsummen vor allem in der Vermögensgeschichte vor 1990. Tatsächlich waren private Unternehmensvermögen und größere Immobilienvermögen in der DDR wesentlich stärker begrenzt als in der Bundesrepublik. Hinzu kamen Enteignungen, Verstaatlichungen und die Kollektivierung landwirtschaftlicher Betriebe.
Westdeutsche Familien konnten dagegen über mehrere Jahrzehnte Immobilien, Unternehmen und Finanzvermögen aufbauen und an die nächste Generation weitergeben. Dieser Vorsprung verschwindet nicht innerhalb einer Generation.
Allerdings erklärt die DDR-Vergangenheit den heutigen Abstand nicht allein. Auch niedrigere Löhne, geringere Immobilienwerte, Abwanderung und unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen nach der Wiedervereinigung beeinflussen, wie viel Vermögen Familien heute besitzen und vererben können.
„Wer hatte im Osten schon Wohneigentum? Vielleicht Leute auf dem Land. Und das Gesparte ging bei vielen nach der Grenzöffnung für den Neuanfang und Konsum drauf. In 36 Jahren baut man mit normalem Gehalt kaum ein Vermögen auf.
Und erst recht nicht, wenn man alles haben möchte, was der Verwandte im Westen schon hat.
“„Im Westen konnte eben nach dem Krieg viel Vermögen erwirtschaftet werden. In den neuen Bundesländern war dies erst nach 1990 möglich.
“„Tja, wenn „Reichtümer“ enteignet wurden, bleibt nicht viel übrig zum Vererben. Schließlich ist die Enteignung in der DDR in der Erbfolge nur eine Generation her. Die Verstaatlichungswelle von 1972 nahm auch die kleinen Besitztümer. Heute, etwa 54 Jahre später, würde so langsam die Generation danach erben.
Junge Firmeninhaber bzw. damalige Erben sind heute größtenteils noch nicht verstorben. Was soll also geerbt werden, wenn der Staat sich alles gekrallt hatte und in Misswirtschaft zugrunde gerichtet hat?
“„Vielleicht liegt es auch an den grundverschiedenen Wirtschaftssystemen, die im Osten und Westen Deutschlands bestanden. Im Westen hatten bis zur Wende selbst Arbeiter Einfamilienhäuser bauen können. Im Osten war das nicht möglich, nicht nur aus finanziellen Gründen. Es fehlte das Baumaterial in der Mangelwirtschaft der DDR.
Geld, bedrucktes Papier, war vorhanden, aber Waren waren – nicht nur Autos ohne lange Wartezeiten – für das Geld nicht zu kaufen ... Die Linke in Berlin schickt sich an, das Experiment zu wiederholen.
“ Andere Leser halten die Gegenüberstellung von 142,5 Milliarden Euro im Westen und acht Milliarden Euro im Osten für erklärungsbedürftig. Damit treffen sie einen wichtigen methodischen Punkt: Die Statistik erfasst nicht sämtliche Erbschaften, sondern die von den Finanzverwaltungen steuerlich berücksichtigten Vermögensübertragungen. Kleinere Erbschaften, die unter den jeweiligen Freibeträgen liegen und steuerlich nicht veranlagt werden, erscheinen deshalb nicht vollständig.
„Zitat: „Im Westen werden 142 Milliarden vererbt, im Osten nur acht. Im Westen leben aktuell auch 67,4 Mio. Menschen und im Osten nur 12,4 Mio. Menschen!
““„Was soll das nun heißen? Westdeutsche zahlen noch mehr? In den alten Bundesländern wurde seit 1948 Vermögen aufgebaut, erwirtschaftet und gespart. Dies war den Bürgern der DDR teilweise nicht möglich.
Aber es ließ sich auch entspannter leben. Und eins zeigt Ihre Statistik nicht, den Median der Vermögensverteilung. Es gibt gerade in den alten Bundesländern einige, sehr wenige Familien, die sehr, sehr viel vererben. Diese gibt es im Osten nicht.
Damit will ich sagen: Ja – im Westen wird mehr vererbt, aber bei weitem ist im Großteil der Bevölkerung die Differenz nicht so groß, wie Ihre Statistik dies aufzeigt.
“„Die Zahlen mögen stimmen, aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Vermögen wird über Jahrzehnte und Generationen aufgebaut – und genau diese Möglichkeit war in Ostdeutschland unter 40 Jahren sozialistischer Planwirtschaft erheblich eingeschränkt. Wer heute die unterschiedlichen Erbsummen vergleicht, sollte deshalb auch die unterschiedlichen Startbedingungen und die Vermögensgeschichte berücksichtigen.
“Ein kleinerer Teil der Leser erinnert an die erheblichen öffentlichen Transfers und den Aufbau der ostdeutschen Infrastruktur nach 1990. Diese Leistungen waren tatsächlich umfangreich, sie sind aber nicht mit privaten Erbschaften gleichzusetzen. Auch einige Aussagen in den Kommentaren benötigen Korrektur. DDR-Beschäftigte zahlten in ein eigenes Sozialversicherungssystem ein; sie wurden nach der Einheit nicht einfach beitragsfrei zu westdeutschen Rentnern.
Bei der Währungsunion wurden zudem nicht sämtliche DDR-Mark-Bestände unbegrenzt eins zu eins umgetauscht, sondern es galten je nach Art und Höhe des Guthabens unterschiedliche Regeln. Auch der Solidaritätszuschlag ist keine direkte Überweisung westdeutscher Bürger an Ostdeutschland, sondern eine Bundessteuer. Die staatlichen Transfers haben Infrastruktur und Einkommen angeglichen, konnten fehlendes privates Familienvermögen aber nicht kurzfristig ersetzen.
„Es gab schon Schenkungen an den Osten bzw. deren Bürger – etwa die Rente, für die diese noch nie eingezahlt hatten. Ein ziemlicher Batzen, der da zusammenkommt. Ist ja in Ordnung, die Wiedervereinigung ist wichtiger als das Pekuniäre, aber vergessen sollte man es trotzdem nicht.
“„Die Ostdeutschen wurden beitragsfrei in unsere Rentenkasse übernommen, ihr Geld wurde 1 zu 1 in die D-Mark getauscht, ihre Rente wurde angepasst, wir pumpten Milliarden in ihre kaputte Infrastruktur. Eigentlich möchte ich nicht mehr hören, dass sie benachteiligt sind.
“In diesem Cluster versammeln sehr unterschiedliche Einwürfe: Einige verbinden die Zahlen mit politischen Rundumschlägen, andere fordern Enteignungen oder eine grundsätzliche Neuordnung des Vererbens. „Das Prinzip des Vererbens muss diskutiert und grundsätzlich neu gedacht werden. Es entstehen sonst Vermögenskonzentrationen und damit auch Machtoptionen, ohne dass dafür entsprechende Leistung erbracht wurde.
“„Ich bin sozusagen ein alter Wessi und geerbt habe ich auch so gut wie nichts. Dass mich meine Eltern ordentlich großgezogen haben und es mir nie schlecht ging, war für mich mehr als genug. Man braucht kein Erbe, um zu etwas zu kommen, und sich krummlegen nur wegen des Erbens sollte man sich nicht; wird sowieso nicht gedankt.
“„Wieder ein Beispiel, wie ungehemmt der Staat in die Taschen seiner Bürger greift: nach bereits versteuertem Geld, das ihn nichts anzugehen hat. “Die zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Analyse und Strukturierung erfolgen mithilfe Künstlicher Intelligenz. Die zusammenfassenden Texte und Einordnungen werden redaktionell kuratiert und bearbeitet.
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