Wer darf eigentlich Tracht tragen? Dr. Emi Arpa über die Frage nach Zugehörigkeit und ihren persönlichen Weg dorthin

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Wer darf eigentlich Tracht tragen? Dr. Emi Arpa über die Frage nach Zugehörigkeit und ihren persönlichen Weg dorthin
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Wer darf Tracht tragen und wer nicht? Und wer entscheidet das? Dr. Emi Arpa berichtet in ihrer Kolumne über ihren langen Weg, um Zugehörigkeit zu verstehen.

Dr. Emi Arpa in ihrer Kolumne über einen Kommentar zu ihrer Tracht, der sie zum Grübeln über Zugehörigkeit gebracht hat.an, in der ich den ganzen Tag fotografiert worden war – schwerer Loden, an den Ärmeln alte Münzknöpfe, die bei jeder Bewegung leise gegeneinanderschlugen.

Keine Tracht von der Stange, kein Dirndl. Etwas Altes, aufgetrennt und neu zusammengesetzt, bis es zu mir passte. Und auf dem Display stand ein Satz, den eine Fremde geschrieben hatte: "Warum muss ausgerechnet sie Bayern zeigen?

" Ausgerechnet sie. Ich habe den Satz ein paarmal gelesen. Nicht wegen Bayern. Wegen des "sie".

Denn es ging nicht um die Jacke. Es ging um die Frage, die so alt ist wie ich: Wer hat dir erlaubt, hier zu stehen? Ein anderer schrieb, er verstehe nicht, was ich eigentlich mit Mode zu tun hätte. Als gäbe es eine Liste, wer sich womit zeigen darf – und mein Name stünde nicht darauf.

Ich kenne diese Liste gut. Mein Leben lang habe ich gelernt, mich klein zu machen, bevor es andere für mich tun. Bloß nicht zu sichtbar. Bloß nicht zu laut.

Lieber im Hintergrund arbeiten, den Kopf senken, die Leistung für sich sprechen lassen und hoffen, dass niemand fragt, warum ausgerechnet du.kennen das. Zeigst du dich nicht, übersieht man dich. Zeigst du dich, fragt man, wer du überhaupt bist, dass du dich das traust. Es gibt keine richtige Menge an Sichtbarkeit.

Es gibt nur zu wenig oder zu viel.geboren. Aufgewachsen bin ich hier, und ich fühle mich deutsch – nicht als große Behauptung, sondern in den kleinen, unspektakulären Dingen. Am liebsten esse ich abends Brotzeit, kalt, mit sauren Gurken. Ausgerechnet das.

Es gibt kaum ein Abendessen, das noch mehr Deutschland schreit, und niemand fragt mich beim Essen, ob ich dazu berechtigt bin. Ich habe Istanbul dafür nie ablegen müssen. Ich trage zwei Länder in mir, ohne, dass eines das andere verdrängt. Aber offenbar reicht das manchen nicht.

Offenbar gibt es einen Ort, an dem ich geboren wurde, und einen anderen, an dem ich zu Hause bin. Für einige Menschen liegt dazwischen eine Grenze, die ich nie ganz überschreiten werde. Patrice Brylla, Creative Direction und Styling: Luisa Probst, Design: Laura Gerte, Beauty: Philipp Verheyen using Dr. Emi Arpadiese Grenze sichtbar macht, hat eine bittere Logik. Denn was ist Tracht anderes als das getragene Versprechen von Zugehörigkeit?

Ein Kleidungsstück, das sagt: Ich gehöre hierher, das ist mein Boden, meine Herkunft. Ich habe nach genau diesem Versprechen gegriffen und man hat mir gesagt: "Du nicht.

"als das, was es ist. Man kann nicht sichtbar werden, ohne dass es einen Preis hat. Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum ich keine fertige Tracht wollte, sondern etwas Umgearbeitetes. Etwas, das nicht so geboren wurde, wie es jetzt ist.

Das aus alten Teilen besteht, aus Brüchen und Nähten, und trotzdem ein Ganzes ergibt. Ich habe erst hinterher verstanden, dass ich die ganze Zeit mich selbst getragen habe. Irgendwann, in dieser späten Stunde, habe ich die Frage der Fremden umgedreht: "Warum ausgerechnet sie?

" Das ist nämlich dieselbe Frage, die ich mir mein Leben lang selbst gestellt habe. Warum ausgerechnet ich – als Erste in meiner Familie, die diesen Weg geht. Warum ausgerechnet ich, die sich das traut? Ich habe so lange auf eine Antwort von außen gewartet, auf eine Erlaubnis, die nie kam.

Bis ich begriffen habe, dass Zugehörigkeit nichts ist, das mir jemand gibt. Und deshalb auch nichts, das mir jemand nehmen kann. Ich denke oft an meinen Sohn, wenn ich das schreibe. Daran, dass er einmal gefragt werden wird, ob er wirklich hierher gehört.

Ich will nicht, dass er dann den Kopf senkt. Ich will, dass er sich anerinnert, die Platz genommen hat, obwohl man ihr keinen anbot. Die sichtbar war, obwohl es einfacher gewesen wäre, es nicht zu sein. Ich weiß, dass es wieder passieren wird.

Das nächste Mal, wenn ich mich zeige, werden dieselben Stimmen dieselbe Frage stellen. Sollen sie. Ich habe aufgehört, um Erlaubnis zu bitten.

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