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Wie in der Torwartfrage: Deniz Undav ist der Nächste, dem Nagelsmann wehtun muss

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Wie in der Torwartfrage: Deniz Undav ist der Nächste, dem Nagelsmann wehtun muss
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Es ist kein Geheimnis, wer im DFB-Sturm gesetzt ist: Auch hier verliert einer, der liefert (Deniz Undav), gegen den, der einen Namen hat (Kai Havertz).

Wie in der Torwartfrage macht Bundestrainer Julian Nagelsmann kein Geheimnis daraus, wer im Sturm gesetzt ist: Auch hier verliert einer, der liefert , gegen den, der einen Namen hat .

Findet Kolumnist Pit Gottschalk. Deniz Undav hat im Test-Länderspiel gegen Finnland alles getan, was ein Stürmer tun kann, um sich aufzudrängen. Zwei Tore, in der 34. und 57. Spielminute, dazu die Vorlage zum Treffer von Florian Wirtz – drei Scorerpunkte in gut einer Stunde, Das 4:0 war zur Hälfte sein Werk.

Und es ändert nichts an der Situation des VfB-Stürmers: Kai Havertz bleibt im deutschen Sturmzentrum gesetzt, sagt Julian Nagelsmann, obwohl der gegen Finnland gar nicht auf dem Platz stand, sondern nach der verlorenen Champions-League-Finalnacht von Arsenal erst zur WM-Vorbereitung in die USA nachreist. Es besteht kein Zweifel: Undav wird der nächste Nationalspieler sein, dem der Bundestrainer wehtun muss, weil er ihn auf die Ersatzbank setzt. Wer Nagelsmann zuletzt beobachtet hat, kennt diese Haltung schon.

Wenige Wochen zuvor hat der Bundestrainer Oliver Baumann fallen lassen: seine bisherige, zuverlässige Nummer eins, heruntergestuft kurz vor der Kaderbekanntgabe – für Manuel Neuer, 40 Jahre alt, zwei Jahre raus aus der Nationalmannschaft. Nagelsmann hat daraus kein Geheimnis gemacht.

„Deshalb haben wir Manu gefragt, ob er bereit ist zurückzukommen", sagte er bei der Nominierung und nannte als Grund die Aura, die Neuer umgibt. Nagelsmann war nie der lauteste Fürsprecher von Undav Dass ausgerechnet Undav den Kürzeren zieht, hat eine Vorgeschichte. Auf die Frage nach seinem Austausch mit dem Bundestrainer hatte er Anfang März nur trocken geantwortet: „Gibt keinen.

" Kurz darauf, nach seinem Joker-Siegtor zum 2:1 gegen Ghana, mochte Nagelsmann den Treffer nicht recht würdigen: „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn so reinmacht", sagte er und verwies auf die Belastung im WM-Sommer. Bei Neuer ergibt die Rückholaktion einen Sinn, den man nicht wegdiskutieren muss. Neuer ist Weltmeister von 2014, hat das Torwartspiel geprägt wie kaum ein anderer, hält im Klub weiter auf einem Niveau, das die Comeback-Debatte überhaupt erst entfacht hat.

Eine solche Kategorie macht man auch mit 40 und nach langer Pause zur Nummer eins – die Aura ist hier kein leeres Wort, sondern durch Klasse gedeckt. Und auch für Havertz gibt es ein echtes Argument: Er bindet das Spiel anders ein als ein Strafraumstürmer, läuft die Tiefe an, ist bei Standards kopfballstark, hat im Champions-League-Finale getroffen.

„Wir brauchen Kai", sagte Nagelsmann nach dem Spiel und nannte dessen Finaltor „außergewöhnlich. Alle unsere Best-of-Szenen sind immer mit Kai.

" Das ist ja keine Erfindung. Nur gibt es hier in der Personalfrage einen großen Unterschied. Neuer steht über Baumann, weil er eine Klasse für sich darstellt. Havertz steht über Undav, weil eine Hierarchie ihn dort hält.

Das Vokabular ist dasselbe – wichtig, außergewöhnlich, unverzichtbar –, aber bei Neuer beschreibt es eine Wirklichkeit, bei Havertz leiht es sich eine. Niemand würde Havertz eine Aura wie Neuer zuschreiben; er ist ein sehr guter Spieler mit klarem Profil, aber kein Phänomen. Dieselbe Geste, einmal durch eine Kategorie gerechtfertigt, einmal nur durch einen Rang. Denn Undav hat ja etwas vorzuweisen.

Er ist mit 19 Toren in 29 Spielen der beste deutsche Bundesliga-Stürmer. In der Nationalmannschaft hat er, sobald er spielen durfte, die Kiste getroffen: sechs Tore in acht Länderspielen. Bundestrainer Nagelsmann muss in Havertz etwas sehen, das wechselweise mit Taktik und Defensivverhalten, Vertrauen und Spielintelligenz zu tun haben muss. Toreschießen alleine kann es offenbar nicht sein, wenn man den Zahlen glaubt.

Undav fügt sich inzwischen in seiner Joker-Rolle als Havertz-Ersatz. Er hat ein lockeres Mundwerk, das weiß er, aber noch billigt ihm der Bundestrainer – siehe oben – die Lautsprecher-Funktion eines Thomas Müller nicht zu. Undav hat das kapiert. Am Abend von Mainz, als er mit den drei Scorer-Punkten gegen Finnland Werbung in eigener Sache hätte machen können, blieb er auffallend brav.

„Wir haben drei gute Stürmer", sagte er hinterher, „ich versuche einfach nur, meinen Job zu machen. " Kein Wort des Aufbegehrens. Eine Mannschaft, in der die Formstarken die Lücken stopfen und die Etablierten ihre Plätze behalten, ist kein Skandal.

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