Am Sonntag wird zum dritten Mal in Berlin gewählt. Aber wer geht eigentlich noch hin? Und wo sind die Politiker abgeblieben, die beim letzten Mal aus ihren Ämtern flogen?
Am Sonntag wird zum dritten Mal in Berlin gewählt. Aber wer geht eigentlich noch hin? Und wo sind die Politiker abgeblieben, die beim letzten Mal aus ihren Ämtern flogen?Vor einem Jahr musste ich das erste Mal neu abstimmen, für Berlin und den Bezirk.
Jetzt, am kommenden Sonntag, ist Wahlwiederholung für denWohnviertel auf die Liste der chaotischsten Wahlkreise Berlins geschafft hat. Außerdem bin ich gespannt, wen die Leute wählen, wie sich die Stimmung verändert hat. Vor zweieinhalb Jahren war wedernoch in Israel, die Nord-Stream-Leitungen waren intakt, und der Regierende Bürgermeister von Berlin hieß – und das kommt mir wirklich vor wie ein anderes Zeitalter – Michael Müller.Ja, ich möchte über weitere Beiträge informiert werden. Ich bin damit einverstanden, dass die Berliner Verlag GmbH zu diesem Zweck meine E-Mail-Adresse speichert. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.Allerdings frage ich mich, wer außer mir überhaupt noch wählen gehen wird. Jetzt, beim dritten Mal. Es sind Winterferien inund die Hälfte der Pankower ist auf den Pisten des Zillertals unterwegs. Außerdem ist, wenn ich das richtig verstanden habe, kein politisches Erdbeben zu erwarten, nur die ein oder andere personelle Veränderung. Elmar, unser politischer Berlin-Korrespondent, hat es mir am Beispiel von Manuela Anders-Granitzki, CDU-Kandidatin aus Pankow, erklärt. Sie könnte, wenn die CDU so stark ist wie bei der letzten Wahl in Berlin, ein Direktmandat für den Bundestag bekommen, würde es aber vermutlich nicht annehmen, weil sie Stadträtin ist. Und es bleiben will., der Ex-Regierende von der SPD, wird wahrscheinlich kein Direktmandat mehr bekommen, wäre aber durch einen Listenplatz seiner Partei gesichert. Anders als Ottilie Klein, Generalsekretärin der Berliner CDU, die bei geringer Wahlbeteiligung aus dem Bundestag fliegen könnte. Die Gründe habe ich vergessen, weil mir beim Thema „rausfliegen“ einfiel, wie ich kurz nach der ersten Wiederholungswahl ein Interview mit einer Berliner Staatssekretärin führte, die für die Verluste der Grünen büßen und aus dem Amt scheiden sollte. Es war ein seltsames Interview, weil noch vier weitere Leute am Tisch saßen, die nichts sagten, und die Staatssekretärin eine Mischung aus Gender- und Juristendeutsch sprach, bei der ich nur die Hälfte verstand.Sie hatte wohl, wie ich später begriff, Angst, ich könnte ihre Zukunft gefährden. Eine Zukunft als freigestellte politische Beamtin bei vollen Bezügen. Daher die vielen Leute am Tisch, die komplizierte Sprache, die Freigabe jedes Wortes, mit dem ich sie zitierte. Immerhin, sie ließ sich zitieren. Andere, die bei der Wiederholungswahl ihr Amt verloren und zu Hause sitzen, reagieren gar nicht, wenn man sie etwas fragt, oder verweisen an die Pressestelle. Auch wenn es um Fälle geht, die in ihrer Amtszeit lagen, die Aufklärung verlangen. Es ist, als seien diese Politiker – samt ihrer Bezüge – in einem schwarzen Loch verschwunden. Und ich frage mich, was sie da machen, wie sie sich fühlen. Als Verlierer, weil ihre Partei bei den letzten Wahlen so schlecht abgeschnitten hat. Oder als Gewinner, weil sie viel Geld bekommen, aber weder arbeiten noch unangenehme Fragen beantworten müssen. Manche von ihnen senden ab und an ein Signal aus ihrem Loch, posten was in den sozialen Medien oder lassen sich auf einem Jahresempfang blicken. Um zu zeigen, dass sie noch da sind, um sich in Stellung zu bringen. Für die nächsten Wahlen. Die richtigen. In zwei Jahren ist es wieder so weit.
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