Willy Pape machte als grazile Schlangentänzerin Karriere. Er mochte es, wie eine Frau auszusehen, und wollte doch keine sein. Eine Geschichte vom Individuellen.
In Provinzstädten überschlug sich die Kritik vor Begeisterung. Zusatzvorstellungen wurden angesetzt. Das an Reizen aller Art überreiche Berlin war hingegen nicht so leicht aus der Fassung zu bringen. Zwar lockte Voo Doo inzwischen das Publikum in große Häuser wie den Wintergarten, doch behandelte die Zeitung Vorwärts vom 6. Dezember 1914 ihre Darbietung wenig engagiert als „anerkennenswerte Leistung der Schlangentänzerin“.
Das hauptstädtische Feuilleton mokierte sich gerne auch generell über die Qualität des Varietés und rümpfe nach der Kriegspause weiter die sensible Nase. Im Januar 1922 bewertete das Blatt Berliner Nachrichten eine Vorstellung im Scala als „dünnblutig-wasserhirnige Brettelei“. Voo Doos Auftritt wurde als „orientalisch-schwüle Tanzszene“ beschrieben, die – immerhin – „künstlerisch durchgeführt wurde“.
Obendrein kam das Kino mit nie gesehenen Reizen. Auf den Bühnen wackelten nun immer mehr nackte Busen. „Nuttität plus Nudität“ sei nun der Kern des Kabaretts, ätzte das Berliner-Feuilleton. Auch Voo Doo musste nachlegen. Wie – das dokumentiert Dobler mit einer Zeile aus der Berliner Morgenpost nach einem Voo-Doo-Auftritt im Dezember 1924 im Walhalla-Theater am Weinbergsweg: „Mit einer Überraschung endete die phantastische orientalische Tempelszene ‚Voo Doo‘, indem sich die Tänzerin als – Mann entpuppt.“ Zeigte sie einen Striptease? Lüpfte sie nur ihren Lendenschmuck? Genaueres erfahren wir nicht.
Voo Doo erzeugte offenbar keine Skandal-Schlagzeilen. Willy Pape arbeitete, reiste unermüdlich durch die Mittel- und Kleinstädte Deutschlands, trug einen Hauch verruchtes Berlin zum dankbaren Provinzpublikum und zeigte erstklassige tänzerischen Leistungen. Ein Profi. Voo Doo zog es, so Dobler, nicht in homosexuelle Lokale, er wurde auch nicht Teil der frühen homosexuellen Bewegung.