Auch für das privilegierteste aller Tennisturniere gelten in diesen Zeiten keine Ausnahmeregeln: Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg fällt Wimbledon aus.
Association, haben normalerweise eine doppelte Chance auf den Hauptgewinn der Saison: ein Ticket für das Tournier entweder direkt vom Veranstalter - oder aber über ihren jeweiligen Club. Glückskinder wollten sich zwischen dem 29.
Juni und dem 12. Juli mit Sitzkissen und Proviant im Londoner Süden einfinden - wie jedes Jahr. Ziehung und Ticketvergabe waren allerdings bis auf weiteres verschoben. Die Tennisnation, nein, die Tenniswelt wartete am Mittwoch gespannt auf die Absage des Turniers, die noch im Laufe des Tages erwartet wurde. Der berühmte All England Lawn Tennis and Croquet Club Limited , auch bekannt als The Club, hatte in der vergangenen Woche eine Reihe von Treffen abgehalten, aber sich bis zuletzt nicht zu einer Entscheidung durchringen können. Gespräche mit den wichtigsten Tennisverbänden des Landes wurden geführt. Am späten Nachmittag kam das Urteil: Das Turnier wird abgesagt. Das gesamte Profitennis ist bis zum 13. Juli auf Eis gelegt, aber die Zweifel wachsen, dass auch danach wieder Normalität eintreten kann. Die French Open wurden bereits auf Ende September verschoben. In war vorab bereits klar: Keinesfalls wollte man vor leeren Rängen spielen. Entweder ganz - oder gar nicht.Seit der ersten Austragung im Jahre 1877 haben nur zwei Ereignisse dafür gesorgt, dass Wimbledon aussetzen musste: die beiden Weltkriege. Die Corona-Pandemie sorgt nun dafür, dass die Siegerlisten 2020 nicht aufgefüllt werden. Unten die Sieger des 10er-Jahrzehnts:2012: Roger Federer, Serena Williams2015: Novak Djokovic, Serena Williams2018: Novak Djokovic, Angelique KerberLetzteres ist nun der Fall. Während auf Sportkanälen und in der BBC gleich reihenweise Spieler und Manager interviewt wurden, die fanden, es gebe - wegen der Corona-Krise - eben keine andere Lösung als eine Absage, ließ man sich beim All England Club Zeit. Am Geld allein lag das Zögern nicht. Die Organisatoren von Wimbledon sind tatsächlich gegen eine Pandemie versichert. Derzeit sind, wie in vielen anderen Ländern der Welt auch, alle Vereine Großbritanniens verrammelt; britische Tennisfans, die sonst bei Wind und Wetter und sogar bei Schneetreiben, ausgerüstet mit Handschuhen und dicken Wollmützen, der vielleicht englischsten aller Sportarten frönen, haben höchstens Gelegenheit, auf der Wimbledon-Webseite das längste Match der Historie zwischen John Isner und Nicolas Mahut aus dem Jahr 2010 anzuschauen. Judy Murray, Mutter von Andy und Jamie, zeigt sich in der Krise besorgt-optimistisch:"Die ganze Welt versucht derzeit, das Virus zu besiegen. Wir müssen kreativ sein und für die Zeit planen, wenn wir die Türen wieder öffnen können." Solange müsse man alte Spiele anschauen und Erdbeeren mit Sahne essen - sich also einbilden, es sei Sommer. Murray hatte allerdings in ihrer Aufzählung die Pimm's vergessen: kein Wimbledon-Sommer ohne den klebrigen Sommercocktail. Es ist nun das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass der All England Club das Turnier absagen muss. Die Alternative, eine Verlegung in den Herbst, hätte zahlreiche Probleme mit sich gebracht: Wetter- und Lichtverhältnisse sowie die Qualität der Unterlage, des kurz geschorenen Wimbledon-Rasens, wären ungleich schwerer herzustellen. Die Rasensaison währt in der Regel nur sechs Wochen. Wimbledon versucht es nun im Juni 2021, kurz bevor die verschobenen Olympischen Spiele beginnen. Veranstalter der Aufwärmturniere in Eastborne, Nottingham, Birmingham und im Londoner Queen's Club warten mit ihren Absagen auf die Ansage aus Wimbledon. Das dortige Nein gleicht nun dem Ende der Rasensaison.Versteinert: In diesem Jahr fliegen keine Filzbälle durch Wimbledon. Im Hintergrund die Büste des dreimaligen Siegers Fred Perry. Craig Tiley, als Organisator der Australian Open eine zentrale Figur des internationalen Tenniszirkus, sagte der, solange es keinen Impfstoff gebe, könne der Sport nicht sorglos Veranstaltungen organisieren, zu der Menschen aus der ganzen Welt zusammenkämen."Vielleicht wachen wir morgen auf und es gibt ein Serum oder ein Medikament, das wirklich hilft. Aber danach sieht es zurzeit nicht aus." Auch Roger Federer, der sich nach einer Knieoperation eigentlich in Wimbledon wieder in Bestform zeigen wollte, schien sich mit der Absage aller großen Turniere in diesem Sommer bereits abgefunden zu haben - wenngleich etwa die Veranstalter der US Open, das Mitte August in New York starten soll, auch noch keine endgültige Entscheidung getroffen haben. Federer postete ein Video in den sozialen Medien, auf dem er sich nicht mit Tennis, sondern mit Corona befasst. In schönstem Schweizerdeutsch erklärt er darin, dass man sich möglichst oft die Hände waschen und Hygienevorschriften befolgen solle, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Anders als andere Anlagen lag The Club, 1868 als Croquet-Verein gegründet, bis zuletzt nicht im Tiefschlaf. Solange nicht hundertprozentig klar war, dass The Championships in diesem Jahr nicht stattfinden, wurde weiter der Rasen gewässert und gemäht, und im Hintergrund bereiteten dienstbare Geister, dem Vernehmen nach, hoffnungsfroh das Mega-Event vor. Man konnte ja nicht wissen. Lauthat der Verein offiziell gerade mal 500 Mitglieder. Das Rasenturnier ist das älteste der Welt; es wird unter strikten Regeln abgewickelt, was Kleidung, Sponsoren, Werbung, Musik und TV-Übertragungen angeht. In diesem Jahr hat der Verein, in weiser Voraussicht,"Informationen über Covid-19" ganz oben auf seine opulente Webseite gestellt. Man arbeite eng mit der Regierung und den Gesundheitsbehörden zusammen, steht da zu lesen, und gedenke"all derer, die von der Krise betroffen" seien. Gemeint waren vermutlich"von dem Virus betroffen" seien. Aber mit Blick auf Wimbledon passte die Formulierung, die da stand, dann doch sehr gut.
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