Die Debatte um neue Fed-Zinserhöhungen treibt den Handel in allen Assetklassen der weltgrößten Terminbörse CME an. Rohstoff-Chef Derek Sammann warnt indes vor dem Handel auf spekulativ geprägten Plattformen.
Die Debatte um neue Fed-Zinserhöhungen treibt den Handel in allen Assetklassen der weltgrößten Terminbörse CME an. Rohstoff-Chef Derek Sammann warnt indes vor dem Handel auf spekulativ geprägten Plattformen.
„Wir werden nie über die Margin konkurrieren“ Rohstoff-Chef von Terminbörse CME hebt Gefahren durch gehebelte Trades an Offshore-Plattformen hervor – Geldpolitik rüttelt alle Assetklassen durch Die Debatte um neue Fed-Zinserhöhungen und die Nervosität vor den US-Zwischenwahlen treiben den Handel in allen Assetklassen der weltgrößten Terminbörse CME an. Rohstoff-Chef Derek Sammann warnt in einem volatilen Umfeld indes vor dem Handel auf spekulativ geprägten Konkurrenz-Plattformen.
Herr Sammann, nach der jüngsten Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte spekulieren Marktteilnehmer über weitere Straffungen in einem angespannten geopolitischen Umfeld. Wie beeinflusst das den Geschäftsausblick der CME Group? Situationen wie diese sind der Grund dafür, dass es uns gibt. In Stressphasen steigt der Bedarf an Risikomanagement und Preistransparenz.
Die geldpolitische Entscheidung der Fed wirkt sich in erster Linie auf unsere Fixed-Income-Märkte aus, aber der Handel in diesen läuft nicht isoliert ab. Eine Zinsentscheidung berührt den Devisenmarkt und die Aktienbewertungen ebenso wie die Preise für Energie und Metalle und sogar die Agrarmärkte. Inzwischen dreht sich die Diskussion am Markt nicht mehr darum, ob die Fed die Zinsen anheben wird, sondern wie weit sie dabei geht und wann sie den Kurs möglicherweise wieder umkehrt.
Hinzu kommt der zunehmende politische Druck im Vorfeld der anstehenden Zwischenwahlen. Vor Ihrem Wechsel zur CME Group haben Sie mehr als 16 Jahre Handelserfahrung auf der Sell-Side im Devisenmarkt gesammelt. Haben Sie persönlich eine Einschätzung, wie weit die Fed die Zinsen anheben wird? Meine Aufgabe bei CME war es in den vergangenen 17 Jahren nicht, eine Marktmeinung zu haben, sondern sicherzustellen, dass Kunden ihre eigenen Meinungen zum Ausdruck bringen können.
Je unterschiedlicher die Einschätzungen am Markt sind, desto gesünder ist das Ökosystem. Das reflektiert auch unser FedWatch Tool, das transparent zeigt, welche Wahrscheinlichkeit Marktteilnehmer verschiedenen geldpolitischen Schritten beimessen. Anhand unserer Futures können Kunden zudem ablesen, wo der Markt den Leitzins in drei, fünf oder zehn Jahren erwartet. All das funktioniert nur in liquiden, regulierten und transparenten Märkten – niemand zieht Schlussfolgerungen aus illiquiden Märkten, an denen einmal pro Woche nach Termin gehandelt wird.
Das Schöne an einem gut einsehbaren und gut regulierten Markt wie dem unseren ist, dass er nicht nur zeigt, wohin sich die Preise bewegen, sondern auch, worüber sich die Marktteilnehmer Sorgen machen. Unsere Optionsdaten sind dabei besonders aufschlussreich. Angesichts der Huthi-Angriffe im Roten Meer hat sich die Prämie, die Investoren für eine Absicherung gegen einen starken Anstieg der Rohölpreise zahlen, im Vergleich zum Schutz vor einem Preisverfall innerhalb weniger Wochen ungefähr verdoppelt.
Das ist ein Zeichen dafür, dass Händler deutlich stärker über weitere Sprünge als über einen Rückgang besorgt sind. Der Markt befindet sich in Backwardation: Der nächstfällige Rohölkontrakt wird teurer gehandelt als die späteren Laufzeiten. Vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrschte dagegen Contango. Dieser Wechsel reflektiert einen Angebotsschock und eine unmittelbar hohe Nachfrage am Spotmarkt.
Ein vom Medienarm der Huthi-Rebellen bereitgestelltes Foto soll Kämpfer Mitte September im Gefecht mit von Saudi-Arabien unterstützten Kräften im Ostjemen zeigen. Bedeuten die zunehmenden Sorgen über den Inflationsdruck durch steigende Energiepreise, die Zinserhöhung der Fed und die politischen Spannungen, dass die Märkte in eine Risk-off-Phase eintreten? Ganz im Gegenteil! Handelsvolumina, Open Interest, die Optionsaktivität und das Geschäft außerhalb der USA liegen trotz der Kriege in der Ukraine und im Iran, der Zollkonflikte und der bevorstehenden Kongresswahlen nahe an Rekordständen.
Wir sehen Wachstum über alle Kundensegmente hinweg: bei institutionellen Investoren auf der Buy-Side, Hedgefonds, Banken, kommerziellen Hedgern wie Energieunternehmen und Bergbaukonzernen sowie bei Privatanlegern. Diese Breite ist das eigentliche Zeichen für einen gesunden Markt. Für die CME als führende Börse sind die Volatilitätsschübe gut für das Geschäft. Gibt es jedoch einen Punkt, an dem die Volatilität so stark steigt, dass der Bedarf der Kunden an Risikomanagement nicht mehr zunimmt, weil sie sich aus dem Markt zurückziehen?
Das haben wir in der Vergangenheit erlebt, am deutlichsten nach der Finanzkrise 2008 und kurzzeitig auch nach dem Ausbruch der Covid-Pandemie. Solche Risk-off-Phasen beginnen mit einem sprunghaften Anstieg des Handelsvolumens bei sinkendem Open Interest, weil die Marktteilnehmer ihre Positionen schnell schließen. Das Optionsvolumen geht zurück, ebenso das Geschäft außerhalb der USA, und der Handel konzentriert sich auf den nächstfälligen Kontrakt. Davon sehen wir derzeit keine Spur.
KI sorgt kontinuierlich für positive Impulse, und jeder Kunde interessiert sich für Computing-Futures und die durch die Technologie entstehenden Chancen. Gleichzeitig nimmt die Spekulation am Markt zu, und einige Hedgefonds agieren mit enormem Leverage – nicht nur bei gerichteten Wetten auf Aktien, sondern auch beim Basis Trading an den Märkten der CME Group. Wie groß ist Ihre Sorge über die Verschuldungsgrade im System?
Die gute Nachricht ist, dass wir die Möglichkeit haben, den Einsatz von Fremdkapital über die Margin-Anforderungen zu steuern, die wir an die Marktbedingungen anpassen. Im Rohölmarkt lagen sie vor der Eskalation der Spannungen im Nahen Osten bei etwa 5 bis 6% des Nominalwerts. Das entsprach für die meisten Investoren einem effektiven Hebel von 18:1 bis 20:1. Auf dem Höhepunkt der Marktverwerfungen verdoppelten sich die Anforderungen ungefähr auf 12 bis 13%, wodurch der effektive Hebel auf 6:1 bis 7:1 sank.
Zudem bewerten wir alle 135 Mill. offenen Kontrakte zweimal täglich zum Marktpreis. Ja, das begrenzt die Verluste, die sich ansammeln können, bevor Nachschussforderungen ausgelöst werden. Die CME Group unterliegt sowohl als Börsenbetreiber als auch als Clearinghaus einer strengen Regulierung durch die CFTC. Keiner unserer Kunden hat jemals Geld verloren, weil ein anderer Investor ausgefallen ist.
Unser gemeinschaftlich getragenes Clearingmodell hat in den vergangenen 180 Jahren jeden Schock absorbiert. Wie unterscheidet sich das von unregulierten Handelsplätzen, die als neue Wettbewerber auf den Markt drängen? Plattformen für Offshore-Differenzkontrakte oder Futures ohne Ablaufdatum können Hebel von 100:1 oder sogar 200:1 bieten. Wir halten das für gefährlich, in der Vergangenheit hat das schließlich wiederholt zu schlechten Ergebnissen geführt.
In den Vereinigten Staaten ist die Regulierung in den vergangenen zwei Jahren in Richtung Deregulierung vorangeschritten. Wie reagieren Sie auf neue Herausforderungen durch Anbieter von Perpetual Futures? Wir werden niemals über die Höhe der Margin konkurrieren. Wenn Kunden an unserer Fähigkeit zweifeln würden, Risiken in einer Krise zu steuern, würden sie uns weder 350 Mrd.
Dollar an Sicherheiten anvertrauen noch täglich 6 bis 12 Mrd. Dollar zwischen Konten bewegen. Wir konkurrieren über die Breite unseres Produktangebots, Technologie, Kapitaleffizienz und Risikomanagement – niemals über eine Absenkung unserer Standards.
Außerdem besteht eine klare regulatorische Trennung zwischen meinem kommerziellen Geschäftsbereich und dem Clearinggeschäft. Ich kann das Clearinghaus nicht anrufen und niedrigere Margins verlangen, um im Wettbewerb mithalten zu können – und ich würde das auch nicht wollen. Wie verändert der stärkere Fokus auf die Beteiligung von Privatanlegern Ihre Marktstruktur und Ihr Risikoprofil? Wir ermöglichen täglich Transaktionen von rund 30 Mill.
Kontrakten – 94% davon entfallen auf institutionelle Kunden, 6% auf Privatanleger. Der Anteil der Privatanleger wächst jedoch schnell, weil Broker wie eToro, Webull, Plus500 und Robinhood erstmals neue Kundengruppen an den Futures-Markt heranführen. Darauf haben wir reagiert, indem wir die Kontraktgrößen reduziert haben. Unser klassischer Goldkontrakt umfasst 100 Unzen; der vor rund zehn Jahren eingeführte Micro-Kontrakt mit 10 Unzen macht inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Goldhandelsvolumens aus.
Im vergangenen Jahr haben wir einen Goldkontrakt über 1 Unze und einen Silberkontrakt über 100 Unzen eingeführt – im Grunde Nano-Kontrakte. Beide sind seit ihrer Einführung schnell gewachsen. Sie haben außerdem damit begonnen, Produkte für den Wochenendhandel anzubieten – Krypto vor drei Monaten, Gold über 1 Unze vor rund zwei Monaten und Silber über 100 Unzen Anfang September. Warum ist es für Investoren so wichtig, auch außerhalb der regulären Handelszeiten Zugang zur CME-Plattform zu haben?
Der Handel von Privatanlegern fand am Wochenende ohnehin bereits über Offshore-Plattformen statt. Broker haben uns gebeten, dieses Risiko in unser eigenes Clearinghaus zu holen, damit es weiterhin an den tatsächlichen zugrunde liegenden Preis gekoppelt bleibt. Wir sind inzwischen der größte regulierte Handelsplatz für Gold und Silber am Wochenende. Wir haben allerdings auch Märkte identifiziert, für die ein Handel rund um die Uhr schlicht nicht geeignet sein wird – etwa die Agrarmärkte.
Es gibt das Argument, dass Märkte Auszeiten benötigen, damit Teilnehmer ihre Liquidität auffrischen können. Inwieweit birgt die Ausweitung des Handels rund um die Uhr das Risiko einer Fragmentierung? Genau deshalb haben wir den Wochenendhandel auf unsere kleinsten, ausschließlich für Privatanleger bestimmten Kontrakte beschränkt – von institutioneller Seite oder von kommerziellen Marktteilnehmern sehen wir dort keine Nachfrage. Das Volumen ist relativ gering: An einem Wochenende werden etwa 10.000 Kontrakte gehandelt, an einem normalen Handelstag rund 1 Mill.
Hinzu kommt, dass die Infrastruktur der Banken nicht darauf ausgelegt ist, Besicherungen in Echtzeit am Wochenende hin und her zu bewegen. Deshalb müssen alle Wochenendgeschäfte vorfinanziert werden und werden am nächsten Geschäftstag abgewickelt. Das ist langfristig nicht beliebig skalierbar, ermöglicht uns aber zu lernen, wie Investoren diese Produkte tatsächlich nutzen, ohne neue Risiken zu eröffnen. Auch europäische Investoren wollen Zugang außerhalb der regulären Handelszeiten, doch Clearing- und Settlement-Regime unterscheiden sich von Land zu Land.
Wie wirkt sich diese Kluft auf Ihre Fähigkeit aus, internationale Investoren zu gewinnen? Auch in den USA findet das Settlement am Wochenende nicht statt – das ist also weniger ein internationales Problem als ein Umstand, der darauf zurückgeht, dass sich die Marktinfrastruktur seit 40 Jahren kaum verändert hat. Wir können nicht vollständig rund um die Uhr handeln, solange es kein Bankensystem gibt, das ebenfalls rund um die Uhr funktioniert.
DeFi und Krypto schaffen jedoch neue Erwartungen, und Teile davon werden auf Märkte wie den unseren übergreifen. Wir bauen zunächst gemeinsam mit festen Kundengruppen und halten den Wochenendhandel vorerst klein und auf Privatanleger fokussiert. Die Muster beim Wochenend- und außerbörslichen Handel sind nicht neu. Im frühen elektronischen Handel stießen wir auf praktisch denselben Widerstand.
Dasselbe erlebten wir, als wir die Handelszeiten über die ursprünglichen Parkettzeiten in Chicago hinaus ausweiteten. Beide Entwicklungen wurden als existenzielle Bedrohungen für die Liquidität bezeichnet. Beide haben unser Geschäft letztlich um ein Vielfaches vergrößert. Der Ausverkauf am Anleihemarkt geht weiter.
Dabei trennen sich Investoren besonders von französischen Staatsanleihen. Dadurch hat sich deren Spread zu Bunds in den vergangenen Tagen massiv ausgeweitet. Der Dax rutscht zum Oktober-Auftakt zeitweise unter 25.000 Punkte. Steigende Ölpreise schüren Inflations- und Zinssorgen, weltweit klettern die Anleiherenditen – in den USA auf den höchsten Stand seit 2002.
Gegen den Trend legen Continental und Infineon zu. Adidas gewinnt Marktanteile vom Erzrivalen Nike und Analysten sind voll des Lobes. Nur im Aktienkurs hat sich das bisher kaum niedergeschlagen. Inflationssorgen und die Furcht vor steigenden Zinsen drücken den Dax zum Oktoberauftakt ins Minus.
Für Marktbeobachter bleiben die Anleiherenditen der Taktgeber am deutschen Aktienmarkt. Die US-Bondrendite befindet sich auf dem höchsten Stand seit 24 Jahren. Der Abschied des Finanzchefs sorgt für deutliche Abschläge beim Eventvermarkter. Besser kamen die Pläne eines Münchener Autobauers bei den Anlegern an.
Britische Staatsanleihen sind so günstig zu haben wie seit 2007 nicht mehr. Doch gibt es Anzeichen für eine Stabilisierung. Und durch Quantitative Tightening reduziert sich das Angebot.
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