Bei VW folgt gerade eine Hiobsbotschaft auf die nächste: Bis zu 50.000 weitere Stellen sollen wegfallen, vier Werke stehen auf der Kippe, für 2026 erwartet der Konzern nur einen Mini-Gewinn und nun will die Kernmarke fast alle Tarifverträge kündigen.
Wie tief steckt der Wolfsburger Autobauer gerade in der Krise? Darüber hat der NDR Niedersachsen mit Helena Beron Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, gesprochen.
Helena Beron Wisbert ist Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. Volkswagen muss jetzt wieder Boden unter die Füße bekommen. Der Konzern hatte im September eine Gewinnwarnung herausgegeben und rechnet jetzt nur noch mit einer für das Jahr 2026. Jetzt muss Volkswagen wirklich jeden Stein umdrehen und eben auch an solche Verträge rangehen, um den Konzern von den Kosten her wieder wettbewerbsfähig zu machen.
Die Zahlen von Volkswagen zeigen, dass eine Bodenbildung noch nicht erreicht ist. Das war eigentlich für das zweite Halbjahr 2026 prognostiziert worden. Jetzt hat sich die Lage wirklich verschärft. Mit einer operativen Umsatzrendite von einem Prozent hat Volkswagen finanziell wirklich wenig Handlungsspielraum, um noch Planabweichungen oder weitere Krisen stemmen zu können.
Das ist wirklich eine sehr bedrohliche Lage, in der Volkswagen jetzt steckt. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat angekündigt, für jede Errungenschaft zu kämpfen. Aber wie realistisch ist es, dass noch viel von dem übrig bleibt, was die Belegschaft gewohnt ist? Volkswagen galt immer als soziales Unternehmen und eben auch als guter Arbeitgeber.
Jetzt, in dieser Zeit der starken Inflation, - das sind schon sehr starke Einschnitte. Es ist die Frage, wo da ein Kompromiss gefunden werden kann, weil die Positionen so weit auseinandergehen. Volkswagen prüft ja gerade alle Einsparmöglichkeiten, die ihm einfallen - von Unternehmensveräußerungen über die Schließung von Tochterunternehmen und jetzt eben auch beim Thema Gehälter und Löhne. Die Lohnkosten, Gehaltskosten in Deutschland sind eben hoch.
Und bei den Arbeitszeiten geht es darum, ob sie verlängert oder ausgeweitet werden können. Alle Punkte, die jetzt prüfbar sind, werden geprüft. Die Personalkosten sind eben ein Faktor, der auch eine Bedeutung hat. Wisbert: Wenn der Volkswagen-Konzern jetzt nicht bald Boden unter die Füße bekommt, und von der Umsatzrendite wieder Richtung vier, fünf Prozent kommt, dann wird es schwierig, in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben oder es in bestimmten Bereichen wieder zu werden.
Und dann steht noch sehr viel mehr auf dem Spiel, als bisher. Was macht die Situation so herausfordernd für Volkswagen - auch mit Blick auf die Konkurrenz, zum Beispiel aus China? In Deutschland ist die Kernmarke unter starken Wettbewerbsdruck geraten - gerade in diesem Wachstumsfeld der Elektroautos. Die sind preisgünstiger als die großen Verbrenner-SUVs und eben nicht so stark von der Marge her.
Da steckt auch richtig Wettbewerb drin: Die neuen Marken kommen mit Modellen, die preislich noch unter den Modellen von Volkswagen liegen - und die haben auch kräftig an Marktanteil gewonnen.finanzielle Säule der Marke Porsche weggefallen . Auch der Erfolg aus China bleibt aus, sodass auch diese finanzielle Stütze weggefallen ist.
Zudem kann sich Volkswagen bisher oder zurzeit nicht mehr diesen Made-in-Germany-Preisaufschlag leisten und hat eben auch mit diesem margenschwachen Geschäft bei den Elektroautos zu kämpfen. Insbesondere dort ist der Wettbewerb insbesondere sehr stark gestiegen durch neue Marken. Insgesamt ist das eine sehr schwierige Gemengelage.
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