So richtig berühmt war das nicht ... 😅
Zwölf Jahre hatte Katar Zeit, eine vernünftige Mannschaft für die WM im eigenen Land auf die Beine zu stellen. Ein Team, das die einmalige Chance einer WM-Teilnahme nutzt, um zumindest einigermaßen konkurrenzfähig zu sein.
Doch nach den ersten 90 Minuten des Turniers steht fest: Die katarische Nationalmannschaft hat nicht im Entferntesten WM-Niveau. Das beginnt bei Torhüter Saad Alsheeb, der vor dem ersten Gegentor, das wegen, gleich doppelt schlecht aussah. Beim Verlassen seines Fünfmeterraums boxte er zweimal am Ball vorbei und irrte anschließend durch seinen Strafraum. Generell war Alsheeb bei Flanken ständiger Unsicherheitsfaktor, weil er immer faustete, anstatt den Ball auch mal zu fangen. Den Elfmeter zum 0:1 verursachte er durch ein klares Foul an Enner Valencia, als dieser den Keeper umkurven wollte. Trainer Félix Sánchez schickte seine Elf stark defensiv orientiert ins Eröffnungsspiel. Fünferkette hinten, davor eine Dreierkette, die die Räume im Mittelfeld eng machen sollte. Doch der Plan ging überhaupt nicht auf, weil Katar sehr naiv in die Zweikämpfe ging und die Abstände zwischen den Linien riesengroß waren. Jede deutsche Zweitliga-Mannschaft ist deutlich besser organisiert als Katars WM-Team und so hatte Ecuador sehr leichtes Spiel, seine Angriffe aufzubauen und durchzuziehen. Ein eigenes Offensivspiel bot Katar gar nicht an, die beiden Spitzen hingen völlig in der Luft. Die erste Torchance hatte der Gastgeber kurz vor der Pause, doch Almoez Ali köpfte den Ball aus sechs Metern Torentfernung fünf Meter vorbei. "Wir haben uns das anders vorgestellt. Durch das frühe Gegentor konnten wir unseren Matchplan nicht wie gewollt durchziehen", sagte Sánchez nach dem Spiel. Angesichts der Leistung im Eröffnungsspiel ist es fast ein Rätsel, wie diese Mannschaft 2019 Asienmeister werden konnte mit Siegen über Saudi-Arabien, Südkorea und Japan. In den letzen drei Jahren absolvierte Katar 53 Testspiele, meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine gewinnbringende Vorbereitung war das de facto nicht. "Magenta TV"-Experte Michael Ballack hat trotzdem noch Hoffnung für Katar. "Sie waren mega nervös und haben viele leichte Fehler gemacht. Sie können sicher deutlich besser spielen, als sie das heute getan haben", sagte Ballack.Enner Valencia ist ein Nationalheld in seinem Heimatland. Der 33-Jährige hatte vor WM-Beginn 35 Tore in 74 Länderspielen auf dem Konto. Bei der letzten WM-Teilnahme Ecuadors 2014 in Brasilien traf er in allen drei Gruppenspielen je einmal. Nach Katar kam Valencia in Topform. Für Fenerbahce Istanbul schoss er in der laufenden Saison der Süperlig in zwölf Spielen 13 Tore. Valencia drückte auch dem WM-Eröffnungsspiel seinen Stempel auf. Sein Tor in der 3. Minute wurde infolge einer unübersichtlichen Abseitssituation nicht gegeben, doch der Stürmer ließ sich davon nicht beeindrucken: Erst holte er den Elfmeter heraus und verwandelte ihn anschließend sicher mit einem lässigen Schuss ins rechte untere Eck . In der 31. Minute vollendete er eine Flanke von rechts mit einem chirurgisch präzisen Kopfball aus knapp zehn Meter ins linke untere Eck - macht nun 37 Tore im 75. Länderspiel. Mit seinen fünf WM-Toren steht Valencia sogar auf einer Stufe mit Zinedine Zidane, Lionel Messi und Romario.Ob Valencia seiner Mannschaft im weiteren Verlauf des Turniers auf seinen Star zurückgreifen kann, ist aber fraglich. Ende der ersten Halbzeit bekam er einen Schlag aufs rechte Knie. Valencia biss auf die Zähne und spielte bis weit in die zweite Halbzeit weiter. In der 77. Minute war dann aber Schluss.Lichtblick für alle Ecuadorianer: Nach dem Spiel jubelte er mit seinen Kollegen und hatte dabei ein breites Lächeln im Gesicht. Die Ärzte werden Valencia jetzt in Watte packen, damit er zum zweiten Spiel gegen die Niederlande am kommenden Freitag wieder einsatzfähig ist. "Ich hoffe, dass ich dabei sein kann. Ich habe Schmerzen im Knie und im Knöchel", sagte Valencia. Sein Trainer ist da zuversichtlicher. "Ich gehe davon aus, dass Enner gegen die Niederlande spielen wird", sagte Gustavo Alfaro.3.) WM-Stimmung im Stadion? Maximal bis zur Pause 67.372 Zuschauer im Stadion Al-Bayt - ausverkauftes Haus, wie es so schön heißt. Die Upperclass der Kataris in traditionellen weißen Gewändern, dazu ein kleiner, enthusiastischer Block in gelben Trikots, der Ecuador bedingungslos anfeuerte. Die Fans von Katar, viele in weinroten T-Shirts mit der Aufschrift "Qatar" gekleidet, versuchten den Gästen in Sachen Stimmung Paroli zu bieten. "Laut" wurde es im Stadion aber nur, wenn Katars Stürmer samt Ball in Tornähe von Ecuador waren - was ziemlich selten vorkam. Die Anhänger der Tri hatten da mehr Spaß. Zum einen durften sie zwei Tore ihrer Mannschaft bejubeln, zum anderen reagierten sie mit Humor auf das kurz vor Turnierstart verhängte Alkoholverbot in den Stadien. "Queremos cerveza, queremos cerveza" ,Bis zur Halbzeit war das Geschehen auf den Rängen nicht besonders aufregend, aber auch nicht ungewöhnlich. Das änderte sich nach der Pause, die viele Besucher ausgiebig nutzten, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen als Fußballschauen. Viele kehrten gar nicht mehr auf ihre Plätze zurück und mit zunehmendem Spielverlauf leerte sich das Stadion. Während der Fanblock der Ecuadorianer bis zum Schlusspfiff geschlossen anwesend war, hatten viele Einheimische in der zweiten Halbzeit offensichtlich keine Lust mehr. "ZDF"-Experte Christoph Kramer kommentierte die Fan-Flucht zynisch. "Sie sind halt keine Fußball-Nation. Ich wäre wahrscheinlich auch früher gegangen", sagte Kramer und spielte damit auf die enttäuschende Leistung der Gastgeber an. Auch Kommentator Bela Rethy war baff: "Das ist meine zehnte Weltmeisterschaft - so etwas habe ich noch nie gesehen."
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