Erziehungsexperte Ulric Ritzer-Sachs gibt Ratschläge, wie Eltern mit der Schlafenszeit-Frage während der Fußball-WM umgehen sollen. Dabei gibt es keine pauschale Lösung, sondern eine individuelle Abwägung.
Bei großen Fußballturnieren wie der Weltmeisterschaft kommen viele Familien außerhalb ihres gewohnten Rhythmus. Späte Spiele durch Zeitverschiebungen, die emotionale Atmosphäre und der Reiz des Live-Erlebnisses lassen oft den Wunsch aufkommen, dass Kinder trotz später Uhrzeit aufbleiben dürfen.
Erziehungsexperte Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung betont, dass es dabei keine pauschale richtige oder falsche Entscheidung gibt. Vielmehr müsse die Entscheidung individuell vom Kind, seinem Alter und seinen Bedürfnissen abhängig gemacht werden. Ein sechsjähriges Kind könne möglicherweise trotz Mitternachts-Fußball am nächsten Tag noch einigermaßen fit sein, während ein anderes durch das lange Aufbleiben völlig aus der Bahn geworfen würde.
Auch seien nicht alle Kinder automatisch interessiert; wenn kein großes Interesse besteht, sei Schlafen oft die sinnvollere Option. Ritzer-Sachs rät davon ab, kleine Kindergartenkinder, etwa Vierjährige, langeFernsehen zu lassen, da dies für ihr Alter nicht förderlich sei. Ein realistisches Alter für solche Ausnahmen beginne eher mit der Einschulung, besonders wenn das Kind selbst im Verein spielt und ein Interesse an Fußball hat.
Der Experte wendet sich zudem an die Schulen und regt an, dass Lehrer nach einem späten Deutschlandspiel keine Klassenarbeiten schreiben sollten. In vielen Bundesländern fielen die entscheidenden WM-Phasen ohnehin in die Sommerferien oder zumindest in die Zeit nach dem Notenschluss. Dies zeige, dass Flexibilität möglich sei. Grundsätzlich sei regelmäßiger und ausreichender Schlaf wichtig, aber einige Ausnahmen würden keinen dauerhaften Schaden anrichten.
Man könne durchaus in Kauf nehmen, dass ein Kind am nächsten Tag müde ist - besonders wenn die eigenen Erfolge der Nationalmannschaft bis ins Halbfinale oder Finale reichen. Persönliche Erinnerungen wie das gemeinsame Verfolgen historischer Ereignisse, etwa des Boxkampfes Mohammed Ali gegen George Foreman oder der Mondlandung, zeigten, dass solche besonderen Live-Momente ein Gefühl der Teilhabe vermitteln können, auch wenn das Kind nicht alles verstehe. Für viele Menschen habe ein WM-Spiel eine vergleichbare Bedeutung und stelle ein gesellschaftliches Ereignis dar.
Wenn Eltern aus prinzipiellen Gründen das Mitgucken verbieten, müssten sie mit dem damit verbundenen Ärger umgehen können. Ritzer-Sachs hält die Begründung "Das machen wir immer so und machen nie eine Ausnahme" für schwach, da es im Leben viele Situationen gebe, in denen Ausnahmen nötig seien. Letztlich solle man den Wunsch der Kinder ernst nehmen und abwägen, ob der emotionale Gewinn des gemeinsamen Erlebnisses den möglichen Schlafmangel überwiegt.
Die Entscheidung liege bei den Eltern, sollte aber mit Feingefühl und ohne starre Regeln getroffen werden
Fußball-WM Kinder Schlaf Eltern Erziehungstipps
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