Präsident Trump kämpft erbittert um seinen Grenzwall zu Mexiko. In den Städten Nogales und El Paso leben die Menschen längst mit solchen Barrieren.
Trotzdem wehren sich die Einwohner von Nogales dagegen, wenn ihre mexikanischen Nachbarn von Trump nur als Verbrecher dargestellt werden."Es gab schon die Furcht, dass die ganze Debatte über die Mauer hier das Klima vergiftet", sagt der Geschäftsmann.
Das sei zum Glück bisher nicht passiert."Aber es ist nicht gut, so etwas über seine Nachbarn zu hören." Im vergangenen Herbst, auf dem Höhepunkt des Kongresswahlkampfs, schickte Trump die Armee nach Nogales. Die Soldaten befestigten auf der amerikanischen Seite Stacheldrahtrollen am Grenzzaun. Seither hängt der Draht dort, garstig und glänzend - eine martialische, aber weitgehend überflüssige Machtdemonstration, wie selbst Grenzpolizisten bestätigen."Größere Gruppen von illegalen Einwanderern hält der Zaun ohnehin ab", sagt ein Beamter, der an der Grenze Wache schiebt."Und die jungen Männer, die trotzdem über den Zaun klettern, drücken den Stacheldraht einfach mit Stöcken zur Seite." Dass ein Grenzzaun eben beileibe nicht alle Immigrationsprobleme löst, kann man 500 Kilometer östlich von Nogales beobachten, in der texanischen Stadt El Paso. Auch dort trennt ein Stahlzaun die USA und Mexiko. Trotzdem werden die Übergänge dort derzeit von Migranten förmlich überrannt, vor allem von Familien aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die der Armut und Kriminalität in ihrer Heimat entkommen wollen. Die Border Patrol nahm allein am Dienstag 4100 Migranten an der Südgrenze in Gewahrsam, vermutlich werden es in diesem Monat mehr als 100 000 sein - so viele wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Und El Paso ist das Epizentrum. Da es keine Unterkünfte für so viele Menschen gibt, hält die Grenzpolizei sie unter einer Autobahnüberführung fest. Zum Teil werden die Migranten nach der Überprüfung durch die Border Patrol einfach in die USA entlassen - eine Praxis, die Trump eigentlich beenden wollte. Doch während der Zaun in Nogales größere Migrantengruppen eher abschreckt, ist er in El Paso einer der Gründe für den derzeitigen Ansturm von Einwanderern. Das liegt daran, dass der Zaun in Nogales direkt auf der Grenzlinie steht. Um auf das Staatsterritorium der USA zu gelangen, muss man ihn daher überwinden. In El Paso hingegen verläuft die Grenze am Rio Grande. Der Zaun aber steht aus baulichen Gründen einige Meter vom nördlichen Flussufer entfernt auf US-Gebiet. Die Migranten waten durch den Fluss und lassen sich dann auf dem schmalen Streifen zwischen Zaun und Ufer, der schon zu den Vereinigten Staaten gehört, freiwillig von der Border Patrol aufgreifen. Dann stellen sie einen Antrag auf Asyl, was ein ähnliches Verfahren wie in Deutschland in Gang setzt: Der Antrag muss von einem Gericht geprüft werden. Da die Gerichte aber völlig überfordert sind, kann das Monate oder Jahre dauern. Bis dahin dürfen sich die Asylsuchenden in den USA aufhalten - und können untertauchen. Das wissen die kriminellen Banden, die mit dem Schmuggel von Menschen in die USA viel Geld verdienen. Deswegen lotsen sie die Migranten eher nach El Paso als nach Nogales. Die Folge: An der Südgrenze der USA gibt es tatsächlich eine Krise. Allerdings ist es keine Krise von der Art, die Präsident Trump dauernd beschwört - Verbrecherhorden, die durch eine Mauer abgewehrt werden müssen -, sondern eine humanitäre. Tausende Migranten, darunter Hunderte Kinder und Jugendliche, werden in Auffanglager gesperrt, wo sie allenfalls notdürftig versorgt werden können. Der Chef des US-Grenzschutzes, Kevin McAleenan, schickte deswegen am Mittwoch einen drastischen Appell nach Washington. Seine Behörde brauche Hilfe, sagte er, sonst werde es eine Tragödie geben.
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