Präsident Erdoğan mutet seinen Landsleuten die weltweit üblichen Corona-Maßnahmen nur scheibchenweise zu. Seuchenpolitisch ist das Unsinn - aber darum scheint es ihm nicht zu gehen.
"So weit sind wir noch nicht", sagte Gesundheitsminister Matt Hancock. In Spanien schwächt sich der Anstieg bei den Todesfällen infolge einer Coronavirus-Infektion weiter ab. Die jüngste Ausgangssperre umfasst alle Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen.
Und damit auch Supermärkte und Lebensmittelläden. Der öffentliche Nahverkehr wurde ebenfalls eingestellt. Ausgenommen vom Lock-Down sind nur Bäckereien, Apotheken, Altersheime und die Hersteller von medizinischen Gütern. Ebenfalls in Betrieb bleiben Kraftwerke, einzelne Tankstellen, Tierheime, die Post und Bauernhöfe; Beerdigungsdienste und natürlich Polizei, Feuerwehr und andere Sicherheitsdienste sowie das Parlament, Medienbetriebe und Blutspende-Dienste. Warum der umfassende Lock-Down nur zwei Tage gelten soll, bleibt allerdings unbeantwortet. Das erwartete gute Wetter am Wochenende allein kann es kaum sein. Naheliegender wäre, dass die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan nachholen wird, was die meisten der von Corona-Pandemie getroffenen Staaten längst einigermaßen erfolgreich getan haben: Einen umfassenden Lock-Down über längere Zeit, um die Zahl der neuen Covid-19-Infektionen spürbar zu senken. Bisher hat die Türkei nur einen Ausgangssperre für unter-18jährige sowie Ältere und Kranke ausgesprochen und weitere für die Bürger unangenehmen Anti-Corona-Maßnahmen nur scheibchenweise umgesetzt. Dies könnte nun wieder der Fall sein. Seuchenpolitisch jedenfalls macht der kurze Lock-Down angesichts der bereits landesweit massiven Verbreitung des Virus allenfalls begrenzt Sinn. In der Türkei wird mit inzwischen rund 30.000 Tests am Tag immer noch zu wenig getestet: Bislang soll es nur 47.029 Infizierte und 1006 Tote geben. Ebenso unverständlich ist, dass die Bürgermeister von Mega-Metropolen wie Istanbul oder die für die Lebensmittelversorgung wichtige Organisation der Brot- und Backindustrie vorab nicht informiert worden waren. Istanbuls Bürgermeister Ekrem Imamoğlu twitterte, er sei erst zwei Stunden vor Beginn des Lock-Downs in Kenntnis gesetzt worden. Er wisse nicht,"welche Dienstleistungen wir nun für die Bürger erbringen sollen". Auch der Bürgermeister der Hauptstadt Ankara - beide Oberbürgermeister gehören der politischen Opposition an - wurde nicht vorab informiert. Da Imamoğlu der derzeit wichtigste innenpolitische Gegner von Präsident Erdoğan ist, könnte diese seltsame Informationspolitik politische Gründe haben: Das Management der Krise könnte nach dem Ende der Pandemie auch in der Türkei entscheidend für die politische Zukunft führender Politiker wie Erdoğan oder eben Imamoğlu sein.
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