Der Europäische Gerichtshof verwirft die Honorare für Architekten und Ingenieure - wer baut, kann jetzt mehr verhandeln, schreibt ThomasOechsner
Für die Richter in Luxemburg ist klar, dass das deutsche System mit EU-Recht beziehungsweise mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie nicht vereinbar ist. Demnach dürfen Mindest- und Höchstpreise nur unter bestimmten Bedingungen gelten.
Sie müssen zwingend notwendig sein, etwa um höherrangige Güter wie Leben oder Gesundheit zu schützen. Sie müssen verhältnismäßig sein, sie dürfen andere nicht diskriminieren. Die Richter sehen in der HOAI jedoch einen Widerspruch. Einerseits könne diese dabei helfen, die Qualität am Bau zu sichern und einen ruinösen Preiskampf zu vermeiden. Andererseits könnten in Deutschland ja auch andere Dienstleister und nicht nur Architekten und Ingenieure die entsprechenden Leistungen erbringen, ohne ihre fachliche Eignung nicht nachweisen müssten. Die Richter denken dabei offenbar an Bauträger und Generalplaner. Wolle man aber die Qualität am Bau sichern, müsse man nicht die Preise regulieren, sondern regeln, dass alle Bauplaner einen bestimmten, garantierten Wissensstandard vorweisen können. Es reiche aus, Listen mit üblichen Preisen für bestimmte Leistungen zu veröffentlichen, um Verbraucher zu schützen. Dann könnten Kunden vergleichen, was auf dem Markt gezahlt wird .Bereits 2016 hatte die EU-Kommission Deutschland wegen der Honorarordnung verklagt. Der zuständige Generalanwalt Maciej Szpunar hatte während des Verfahrens argumentiert, er könne keinen Zusammenhang erkennen zwischen dem Erhalt der Baukultur, der Bausicherheit und einem verbindlichen Preisrecht. Die Bundesregierung hatte hingegen dargelegt, dass eine verbindliche Honorarordnung unter anderem dem Schutz der Baukultur diene, einen ruinösen Preiswettbewerb verhindere und die Qualität der Leistungen sichere. Das Urteil dürfte in Deutschland zu einem verschärften Preiskampf führen, erst recht, sollte der Bauboom einmal nachlassen und Architekten nicht mehr so gefragt sein wie derzeit. Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, spricht von einem"bedeutsamen Einschnitt" für ihre Berufsgruppe und die Auftraggeber. Architekten müssten"neben Leistung und Qualität verstärkt auch über den Preis verhandeln", sagt sie. Die Kammer wolle nun mit dem zuständigen Bundeswirtschaftsministerium reden. Ihr Ziel: Die HOAI als Rahmen für Leistungen und Honorare der 135 000 Architekten in Deutschland erhalten. Der Präsident der Bundesingenieurkammer, Hans-Ullrich Kammeyer, sagte, es sei allgemein bekannt, dass für einen zu niedrigen Preis keine hinreichende Qualität geliefert werden könne. Da der EuGH den Preisrahmen der Honorarordnung gekippt hat, müsse es jetzt darum gehen,"den Verbrauchern Sicherheit und den planenden Berufen in Deutschland eine verlässliche Grundlage an die Hand zu geben". Kammeyer liebäugelt dabei mit einem Modell wie bei den Steuerberatern. Diese hätten ihre Mindestsätze auch aufgeben müssen und berechnen nun bestimmte Regelsätze - ohne dass sich die Europäische Kommission querlegt.
Deutschland Neuesten Nachrichten, Deutschland Schlagzeilen
Similar News:Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
EU-Gipfel: Jetzt kommt Teil Zwei der Idee von der LeyenUrsula von der Leyen wurde beim EU-Gipfel als Kommissionspräsidentin nominiert. Doch das letzte Wort hat das EU-Parlament - und dort muss nun viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Von Holger Beckmann.
Weiterlesen »
'Bein zeigen erlaubt': Deshalb rät Guido Maria Kretschmer jetzt zur kurzen AnzughoseAuf der Fashion Week in Berlin verrät Guido Maria Kretschmer die modischen Neuheiten. Die Trends reichen von kurzer Anzughose bis zu Ohrringen bei ...
Weiterlesen »
Von der Leyen soll EU-Chefin werden: „GetEUscht“ schreibt man jetzt mit EUWer schon immer meinte, dass in der EU undurchsichtige Strukturen und Hinterzimmer-Klüngel regieren, dürfte sich bestätigt fühlen!
Weiterlesen »
Schüler verletzt: Jetzt geht’s der Würge-Lehrerin an den KragenDion (10), Euron (9) und Bozo (11) tollten Ende 2018 auf der Adventsfeier ihrer Grundschule herum – plötzlich fegte Petra E. (61) dazwischen! Die Ethik-Lehrerin wurde handgreiflich, schmiss die Grundschüler zu Boden, so die Anklage.Zuvor soll die Pädagogin bereits am Glühweinstand ordentlich zugelangt haben. Als die Polizei kam, stellten die Beamten bei Petra W. 2,6 Promille fest!Jetzt legte die Suff-Lehrerin einen denkwürdigen Auftritt vor Gericht hin. Die Details des Prozesses lesen Sie mit BILDplus. *** BILDplus Inhalt ***
Weiterlesen »
5G-Netz: Telekom startet Verkauf von kompatiblen Smartphones und Tarifen - WELTNach der jüngsten Frequenzversteigerung öffnet die Telekom ihr 5G-Netz mit Geräten und Tarifen für Kunden. Ein Versprechen: rasante Download-Geschwindigkeiten im Internet. Doch bisher profitiert nur, wer in der richtigen Stadt wohnt.
Weiterlesen »
Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete: Vater verrät, wo sie sich verstecktKapitänin Carola Rackete ist untergetaucht. Ihr Vater verrät, wo sie ist und warum sie dort bis zur zweiten Vernehmung bleibt.
Weiterlesen »




