Nach seinen jüngsten Wahlsiegen gegen Bernie Sanders müsste Joe Biden die Nominierung der Demokraten so gut wie sicher sein. Aber das Coronvirus und Lagerkämpfe sorgen für Unsicherheit und Erinnerungen an Hillary Clinton.
aus einem vor allem von Latinos bewohnten Bezirk in Chicago zeigte Wählerinnen und Wähler, die in einem schlecht belüfteten Keller darauf warteten, ihre Stimme abgeben zu können – angeblich bis zu einer Stunde.
Darunter kommentierte ein anderer Nutzer:"Bei mir im Vorort konnte ich innerhalb von 5 bis 10 Minuten zwei andere Wahllokale zu Fuß erreichen. Es ist eine Schande, wie weit diese Leute mitten in einer Gesundheitskrise gehen müssen, damit ihre Stimme nicht unterdrückt wird."Joe Biden in der Rolle von Hillary Clinton Diese und ähnliche Tweets kamen mehrheitlich von Sanders-Unterstützern. Der Widerspruch war nicht minder energisch. Einmal mehr war im Zuge dieser Vorwahlen zu beobachten, wie das Biden- und das Sanders-Lager einander nicht nur im Rahmen der üblichen Konkurrenz-Choreografie kritisieren, sondern grundsätzlich verachten. Das war schon im Vorwahlkampf 2016 so, alsschließlich gegen Bernie Sanders gewann. Seither haben sich die Gräben noch vertieft, sind die Lagerkämpfe innerhalb der Demokraten erbitterter geworden. Und das, obwohl die große Polarisiererin Clinton gar nicht mehr zur Wahl steht. Das führt zu der drängenden Frage: Was heißt das alles für das Verhalten der Basis in den kommenden Monaten? Wenn der immer wahrscheinlicher werdende Fall eintritt, dass Joe Biden die Nominierung gewinnt, wie verhalten sich dann die"Bernie Bros" bei der Präsidentschaftswahl im November? Wen wählen sie, wenn er selbst nicht zur Wahl steht? Biden? Niemanden? Oder gar Donald Trump? Die Härte, die dem Establishment der Demokratischen Partei in den sozialen Medien derzeit entgegenschlägt, lässt fraglich erscheinen, ob Biden wirklich der"Kandidat der Einheit" ist, als der er sich auch am Dienstagabend nach den ersten Hochrechnungen wieder bezeichnete. Auch wenn die Ergebnisse bei den Vorwahlen für ihn sprechen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Biden dieses Hoch halten kann. Weder sein Konkurrent noch die Corona-Krise werden es ihm leicht machen. Zwar inszeniert Biden sich als großer Krisenmanager, als Garant der Normalität und als Gegenstück zu Sanders’ Revolutionserzählung . In Zeiten, in denen nichts mehr normal scheint, hat diese Strategie gute Chancen, und die neuesten Vorwahlergebnisse verstärken diesen Eindruck noch. Aber mit dem Beharren darauf, die Vorwahlen stattfinden zu lassen wie gewohnt, könnte es die längst auf Biden geeichte Parteiführung gefährlich übertrieben haben – gefährlich sowohl im politischen als auch im gesundheitlichen Sinne. So unberechenbar, wie das Coronavirus die Welt gerade heimsucht, könnte es auch den US-Wahlkampf noch gehörig durcheinanderbringen.Mit Siegen in Illinois, Florida und Arizona hat Biden schon 19 Staaten gewonnen. In seiner Ansprache rief er die Wähler von Bernie Sanders dazu auf, ihn zu unterstützen.
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