Von wegen Urahn: Die Larven der Neunaugen gelten seit 150 Jahren als Prototyp des Urwirbeltiers. Doch das ist wohl falsch.
Plausibel, aber leider falsch, urteilt jetzt ein Team um den Paläontologen Tetsuto Miyashita vom Canadian Museum of Nature in Ottawa. Die Wissenschaftler haben Dutzende von fossilen Neunaugen-Larven untersucht, die in Südafrika und in den USA ausgegraben worden sind.
Die Fossilien stammen von vier verschiedenen, längst ausgestorbenen Arten und umfassen mehrere Entwicklungsstadien. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sehen vollkommen anders aus als die Larven der heute lebenden Neunaugen. Obwohl an manchen von ihnen noch der Dottersack zu erkennen war, was beweist, dass sie gerade erst geschlüpft sind, waren sie nicht blind, sondern hatten bereits in diesem Stadium zwei große Augen. Sie waren auch keine harmlosen Filtrierer, sondern verfügten bereits über einen mit Zähnen ausgestatteten Saugnapf."Sie sahen aus wie Miniaturen der Erwachsenen", sagt der Biologe Michael Coates von der University of Chicago, der an der Studie beteiligt war. Diese Entdeckung spricht nach Ansicht der Studienautoren dafür, dass die blinden Larven moderner Neunaugen nicht der Prototyp des Urwirbeltiers sind, für den man sie seit 150 Jahren hält. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie eine neuere Erfindung der Natur, weil es für derart kleine Lebewesen einfacher ist, Plankton zu filtrieren, als Beute zu finden, an der sie Blut saugen können. "Neunaugen sind nicht die schwimmenden Zeitkapseln, für die wir sie immer gehalten haben", sagt Coates. Bleibt die Frage, welches Tier dann als Wirbeltier-Urtyp infrage kommt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es die Ostracodermi sein könnten, fischähnliche Wesen, die einen massiven Knochenpanzer mit sich herumschleppten.




