Gestartet als Bombardiers C-Serie und dann von Airbus übernommen: Die A220 ist der modernste Zweistrahler der Welt. Andreas Spaeth hat die anfangs holprige Geschichte des eleganten Jets begleitet. Karte 5B in Spaeths Flugzeugquartett.
Andreas Spaeth hat vor 50 Jahren zum ersten Mal ein Verkehrsflugzeug bestiegen. Seitdem ist er in mehr als 75 unterschiedlichen Passagiermaschinen abgehoben. Daten, Fun-Facts und persönliche Anekdoten: In seinerstellt der Luftfahrtjournalist die markantesten historischen und aktuellen Verkehrsflugzeuge vor und schildert seine Erlebnisse mit ihnen.
Ein Flugzeugquartett der etwas anderen Art.Mut muss belohnt werden, und allem Neuanfang wohnt ein Zauber inne. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Das klingt nach Allgemeinplätzen, stimmt aber in diesem Fall nicht. Denn Boeing und Airbus haben seit gefühlter Ewigkeit im Single Aisle-Markt jeden Neuanfang vermissen lassen. Sie setzen immer nur auf veränderte Iterationen ihrer alten Bestseller, im Falle von Boeing seit bald sechs Jahrzehnten.Bombardier aus Québec in Kanada, mit ihrer erfolgreichen Canadair Regional Jet -Familie seit 1991 zum zeitweise drittgrößten zivilen Flugzeughersteller der Welt geworden, wollte das Duopol brechen. Mit Entwicklung und Vertrieb der innovativsten Zweistrahler übernahmen sich die Kanadier allerdings. Für den damaligen Airbus-Chef Tom Enders wurde die Übernahme des Programms 2017 für einen symbolischen kanadischen Dollar zum besten Deal seiner Karriere. Fast ohne eigene Anstrengung konnten die Europäer ihr Portfolio nun um ein hochmodernes Flugzeug erweitern und dabei noch einen lästigen Konkurrenten schlucken.Kein anderer Passagier ist vor mir mit der damaligen C-Serie geflogen. Klingt toll, oder? Am 3. Juni 2016 hatte ich das Vergnügen, nach der Iata-Generalversammlung in Dublin zusammen mit fast allen Chefs der in der Star Alliance versammelten Airlines aus der irischen Hauptstadt in der CS100 nach Zürich zu fliegen.{ "@context":"https://schema.org", "@type":"ImageObject", "url":"https://img.airliners.de/2024/02/img-1070-IRWg8t__wide__824", "copyrightHolder": {"@type":"Person","name":"© Andreas Spaeth"} }Es war der allererste Flug des neuen Typs mit Passagieren überhaupt – knapp sechs Wochen vor der Indienststellung des ersten CS100-Serienflugzeugs. Wir flogen in der fünften Testmaschine, die mit 118 Sitzen voll bestückt war. In Erinnerung geblieben ist mir, wie extrem leise es an Bord war, wie groß die Fenster sind und wie steil der Pilot die gut besetzte Maschine nach dem Start in den Himmel über Dublin zog. Dazu die fulminante Laudatio von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der mit dem Kabinenmikro vorn stand und vor allen Insassen von diesem Flugzeug schwärmte. Vielleicht auch, weil die Lufthansa-Gruppe für Swiss der Erstbesteller gewesen war.In der Anfangsphase habe ich einige spezielle Flüge mit der damaligen C-Serie gemacht – etwa den allerersten Passagierflug mit der ersten Swiss CS100 am 6. Juli 2016. Chefpilot Peter Koch und seine Crew zeigten uns auf diesem Sonderflug stolz mit ihrem neuesten Jet die Schweizer Bergwelt. Später habe ich ihn mal auf einem regulären Umlauf Zürich-Genf-Heraklion begleitet. Er ist extra dicht am Montblanc vorbeigeflogen für mich, der ich vom Jumpseat aus am Cockpitfenster hing. Aber ein Flug sticht wirklich heraus: Der Überführungsflug der ersten CS300, der verlängerten Version vom Werk in Montréal zum Erstbetreiber Air Baltic in Riga. Dafür musste ich sogar vorher im firmeneigenen Trainingszentrum ein Sicherheitstraining absolvieren, inklusive Atemmaske und Feuerlöschtraining, weil es eben kein regulärer Flug mit Flugbegleitern war.{ "@context":"https://schema.org", "@type":"ImageObject", "url":"https://img.airliners.de/2024/02/img-e5828-tbvMQg__wide__824", "copyrightHolder": {"@type":"Person","name":"© Andreas Spaeth"} }Mit dem wie ich aus Hamburg stammenden Air-Baltic-Chefpiloten Gerhard Ramcke und seinem Team startete ich am 29. November 2016 in tiefer Nacht um kurz nach 4:00 Uhr morgens Ortszeit in Kanada. Wir flogen in den grandiosen Sonnenaufgang über dem Atlantik hinein. Bei nur 18 Menschen an Bord ein bleibendes Erlebnis, in einem modernen Mittelstrecken-Zweistrahler den Großen Teich zu überqueren. Der Flug ging zunächst nach Stockholm, als wir nach sechs Stunden und 40 Minuten dort landeten, war es schon wieder dunkel. Da die CS300 damals noch keine Etops-Zulassung hatte, mussten wir ein wenig Umweg fliegen. Jedenfalls wäre die heutige A220 durchaus Nordatlantik-tauglich, Planspiele für Premiumdienste gab es bereits.Wenn es einen Mann gibt, der an die damalige C-Serie geglaubt hat, als es noch niemand anders tat, ist es Martin Gauss, der deutsche Chef von Air Baltic. Schon 2012 zeichnete Air Baltic die ersten zehn Optionen für die CS300, als dritte Airline weltweit nach den Giganten Lufthansa und Korean Air . Auch als die C-Serie zeitweise auf der Kippe stand, hielt Gauss stets zu ihr. Anders als bei den ganz großen Airlines ist die gesamte Strategie von Air Baltic auf den Zweistrahler ausgerichtet. Die Airline aus Riga betreibt heute ausschließlich A220-300, derzeit 46 – insgesamt 80 hat sie bestellt. Als ab 2016 die ersten Flugzeuge kamen, dürften die ein super Schnäppchen gewesen sein, denn Gauss ist ein gewiefter Taktiker und konnte den Flieger, an den zwischendrin schon niemand mehr glaubte, extrem günstig einkaufen. Ich habe Martin Gauss oft in seinem Büro in Riga besucht. Dort stehen seit langem auf einem Regal fein säuberlich aufgereiht 80 kleine A220-Modelle in Air-Baltic-Farben. Das zeigt sehr eindrucksvoll, wie die vormals kleine Gesellschaft durch die A220 zum Big Player geworden ist. Ihr Chef sonnt sich gern im heutigen Glanz dieses Flugzeugs – und ist der beste Verkäufer, den sich Airbus wünschen kann. Kaum eine Airshow auf dem Globus, wo Martin Gauss nicht andere Airlinechefs von den Vorzügen der A220 zu überzeugen sucht.Der CEO aus Riga scheut sich auch nicht, auf Demonstrationstourneen bis nach Vanuatu in der Südsee zu fliegen, um die A220 noch im letzten Winkel des Globus anzupreisen. "Wenn davon mehr verkauft werden, steigt der Wert unserer Flotte", gab er mir als Begründung für sein ungewöhnliches Engagement.Als Airbus die C-Serie übernommen hatte, ging das Rätselraten los, wie denn das Flugzeug künftig heißen würde. Weil der Typ ja schon bekannt war, hielt es das Airbus-Marketing für eine gute Idee, alle zumindest in Bezug auf den Namen auf die Folter zu spannen – denn die neue Bezeichnung war die einzig noch spannende Frage. A360 vielleicht? Oder A200? Die Medien wurden am 17. Juni 2018 nach Toulouse eingeflogen, wo das Findelkind als neues Mitglied der Airbus-Familie präsentiert werden sollte. Vorher hatte man bei Airbus immer sehr auf dem hohen Ross gesessen. Airbus-Verkaufschef John Leahy nannte die C-Serie zuvor "das niedliche kleine Flugzeug", das sollte Ironie sein und den Rivalen abqualifizieren, der Airbus nun plötzlich in den Schoß gefallen war.{ "@context":"https://schema.org", "@type":"ImageObject", "url":"https://img.airliners.de/2024/02/img-2633-je8u1b__wide__824", "copyrightHolder": {"@type":"Person","name":"© Archiv Spaeth"} }Wir standen also alle am Pistenrand auf dem Airbus-Gelände und warteten auf eine himmlische Erscheinung, die das Geheimnis lüften sollte. Und dann kam sie, machte ein paar Überflüge und ein paar Kurven, damit alle gut sehen konnten, was auf der neuen Airbus-Lackierung stand: Airbus A220-300. Dann landete die Maschine und wurde mit großem Bahnhof neben einer Bühne empfangen, inzwischen waren A220-Fähnchen verteilt worden. In diesem Moment war die Verpackung, das Branding, wichtiger als der Inhalt. Ich empfand es beinahe als Genugtuung, dass das Flugzeug als Zeichen seiner Herkunft ein kanadisches Kennzeichen samt kanadischer Flagge trug.Kanada muss man einfach mögen, zumindest geht es mir so und vielen, die ich kenne. Die C-Serie wurde von Bombardier Aviation entwickelt, genau wie vorher die Canadair Regional Jets. Doch nach dem Verkauf der C-Serie hat sich Bombardier bald völlig aus dem Bau von Flugzeugen für den Airlinebetrieb verabschiedet und konzentriert sich auf Businessjets. Aber der Mischkonzern Bombardier bleibt eine faszinierende Firma, die für mich ähnlich typisch für Kanada ist wie Ahornsirup. Angefangen hat Bombardier mit Schneemobilen, dafür ist die Firma berühmt. Um die ihre reiche Historie mit faszinierenden Ausstellungsstücken auch aus der Luftfahrt und zur C-Serie geht es in einem Museum in der Nähe von Montréal, es heißt Museum of Ingenuity J. Armand Bombardier.- Eine Umschulung mit IHK-Abschluss dauert mindestens 24 Monate und beinhaltet ein Praktikum, das Ihnen die Möglichkeit gibt, Ihr Wissen auszuprobieren...SFT Schule für Wirtschaft und Tourismus Berlin GmbH- GAS German Aviation Service provides services at all German airports. If you can’t find an airport in the list below, please contact our headquarters...- HiSERV Werkstatt steht für Service und Betreuung, wann und wo immer Sie ihn brauchen. Auch wenn Sie keine Fahrzeuge bei uns angemietet haben. Wir helf... Laden Sie diesen Artikel als gestaltetes PDF herunter, zum Ausdrucken oder Abspeichern. Als airliners+ Abonnent haben Sie Vollzugriff auf 20 Jahre Luftverkehrs-Expertise. Ihr Feedback liegt uns am Herzen. Schreiben Sie uns eine E-Mail, wenn Sie einen Fehler entdeckt haben oder geben Sie der Redaktion Hinweise, gerne auch anonym.
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