Hörspiel mit Bildern? Die Wiederholung des Kölner Tatort hier zum Nachlesen: Archiv
– hier ist nichts wirr, sondern alles aufgeräumt, alles erklärbar. Und trotzdem wüsste man nicht zu sagen, welche von beiden Varianten die schrecklichere ist. Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110".
Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne "Der Obduktionsbericht".ist Synonym für das grauenvolle Mittelmaß der ARD-Sonntagabendkrimi-Produktion: ein Dialog-aufsagen-Horror, der klingt wie das Protokoll der Redaktionssitzungen, in denen man sich am Ende freut, dass keine Information über den sogenannten Fall fehlt. Ein Film, der vergessen hat, dass er ein Film werden sollte, weil dem Publikum genauso gut lauter Texttafeln mit diesen ganzen beflissenen Informationen zur Verfügung gestellt hätten werden können, durch die es sich dann arbeiten muss wie durch eine Steuerklärung. Ein Hörspiel mit Bildern von den Leuten, die gerade sprechen. Oder auch: der Kriminalfilm als Vorabend-Soap. Nichts wird gespielt, alles nur behauptet. Das geht schon mit dem Auffinden der ermittlungsstiftenden Leiche los . Weil man sich dauernd fragt, in welcher Reihenfolge die Kollegen am Tatort eingetroffen sein müssen, damit sie sich gegenseitig immer schon tausend Sachen erzählen können, die sie bereits rausgefunden haben. Der Doc kommt mit einer äußerst präzisen Untersuchung der Leiche um die Ecke, die doch noch relativ unverändert auf dem Asphalt liegt. Ballauf hat bereits den nächstgelegenen Busfahrplan gecheckt und knallscharf kombiniert, was die Zuschauerin mit eigenen Augen gesehen hat: dass der nun tote junge Stutzer mit einem Bus hier ankam. Und Fab Five Freddy ist nur dazu da, um berichtet zu kriegen, was die Leute vor der Knipse wissen sollen. So geht das die ganze Zeit in einer Geschichte , die dann zur scheinbaren Entführung einer Charlotte wechselt. Die ist, stellt sich am Ende als großer Clou heraus, durch einen Unfall ums Leben gekommen, aus dem ihr Vater , der gar nicht ihr Vater ist, gemeinsam mit Sohn und Halbbruder Paul sowie mit Kasper, dem Freund von Charlotte Kapital schlagen wollte für die defizitäre Tischlerei. Das dicke Geld sitzt bei dem Schwiegervater , der den minderleistenden Schwiegersohn nicht mag und außerdem als Anwalt dafür gesorgt hat, dass Kasper und seine alkoholkranke Mutter nach dem Arbeitsunfalltod von Kaspers Papa keine Entschädigung bekommen haben. Das ist das überschaubare Set an langweiligen Geheimnissen, fadenscheinigen Erklärungen und angeklebten Motiven, durch die der Film sich langatmig entwickelt. Dauernd müssen irgendwelche Figuren aus den Befragungen der Kommissare verschwinden , damit die Lösung des Falls nicht vor Ablauf der 90 Minuten ans Tageslicht kommt. Einmal schmeißen Balle und Schenk den superverdächtigen Kasper sogar selbst raus, damit der sich nicht zu früh verplappert. Es ist so arg.
