Der Starkregen am Sonntag hat in Bielefeld zahlreiche Keller vollaufen lassen. Sechs Tipps, wie sich Überschwemmungen verhindern lassen.
Bielefeld . Wasser steht auf den Straßen, Gullydeckel werden von Wassermasse n nach oben gedrückt und Kellerräume laufen voll: Der Starkregen am Sonntag hat Bielefeld heftiger getroffen als erwartet. Laut einem Sprecher der Feuerwehr sind die Helfer im Stadtgebiet zu 229 Einsätzen ausgerückt.
„Daran waren 19 Löschabteilungen beteiligt. 95 Prozent davon waren Wassereinsätze. Bei einigen Anrufern standen die Keller bis zur Decke voll.' Der Niederschlag hat sich am Montagmorgen auch beim Umweltbetrieb Bielefeld bemerkbar gemacht. „20 bis 30 Anrufe hatte ich bisher schon', sagt Adrian Krawietz von der Stadtentwässerung beim Umweltbetrieb. Fast ausschließlich ging es um Probleme mit Hochwasser oder vollgelaufene Keller – und wie man sich dagegen schützen kann. Lesen Sie auch: Nach Unwetter in Bielefeld – Viele überflutete Keller Immer wieder kommt es in Bielefeld zu ähnlichen Lagen. Aus Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft geht hervor, dass die Stadt seit 2002 32 Mal Schauplatz eines Starkregenereignisses geworden ist. Doch es gibt Möglichkeiten, Haus, Wohnung und Besitztümer zu schützen. Bielefelder Experten geben Tipps, wie man vorbeugen kann. Tipp 1: Gefährdung – die Starkregenkarte der Stadt Bielefeld hilft weiter Wie gefährdet ein Grundstück ist, darüber gibt die Starkregengefahrenkarte der Stadt Bielefeld Auskunft. Das Online-Werkzeug zeigt detailliert, wo es in der Stadt je nach Regenmenge zu Überflutungen kommen kann. Wer in den blau bis violett gekennzeichneten Bereichen wohnt, sollte sich um vorbeugende Maßnahmen kümmern. Schon minimale Veränderungen könnten große Verbesserungen bedeuten, erklärt Adrian Krawietz von der Stadtentwässerung beim Umweltbetrieb. Tipp 2: Schwachstellen – hier sollten die Bielefelder genau hinschauen Dabei gelte es, Schwachstellen ausfindig zu machen, so Krawietz. „Indem man zum Beispiel mal bei einem normalen Regen genauer beobachtet, wie das Wasser zum Haus fließt, und schaut: Wo liegt die tiefste Stelle und wie kann ich sie möglichst einfach absichern.' Zu den typischen Schwachstellen zählen laut Bundesumweltministerium ebenerdige Haus- und Terrasseneingänge, Kellerlichtschächte ohne Aufmauerung, tiefliegende Kellerfenster und Garagen, Treppenabgänge sowie Höfe, Stellflächen und Einfahrten mit Gefälle zum Haus hin. Tipp 3: Rückstausicherung – was das ist und wer dafür zuständig ist Sie ist das A und O, eigentlich in jedem Haus Standard und ein zuverlässiger Schutz – wenn sie regelmäßig gewartet wird. Die Rückstausicherung verhindert, dass in den Kanälen zurückgestautes Wasser durch die Bodenabflüsse in die Hauskeller gedrückt wird. Das könne passieren, erklärt Krawietz, wenn Regenwasser nicht schnell genug über Rohre abfließen könne und in den Kanalschächten bis auf „Oberkante Straße' steige und damit deutlich höher als die umliegenden Keller. Eine Rückstausicherung sei heute standardmäßig in den Bodenabflüssen der meisten Häuser verbaut, sagt Krawietz. Bei einem Altbau lohne es sich, in die Hausakte zu gucken oder einen Klempner nachschauen zu lassen, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Ganz wichtig sei die Wartung, betont der Abwasserexperte der Stadt. „Klappen und Dichtungen müssen richtig schließen. Der private Eigentümer oder Vermieter ist dafür laut Entwässerungssatzung zuständig, eine Sicherung einzubauen und dafür zu sorgen, dass diese auch funktioniert.' Und die Rückstausicherung staut nur fäkalienfreie Abwasser. Gibt’s im Keller eine Toilette, muss zusätzlich eine sogenannte „Hebeanlage' verbaut werden. Hier schließen dann Klappen ebenfalls die Rohrleitung zum Kanal hin ab. Tipp 4: Versicherung – auch Mieter sollten sich absichern Mietern und Vermietern rät die Stadt zudem, vorbeugend vor Starkregenschäden ihren Versicherungsschutz zu prüfen. In der Regel umfassten Wohngebäudeversicherungen und Hausratsversicherungen keine Schäden, die aus Wassermassen von „außen' verursacht werden. Sie übernehmen oft nur Schäden, die entstehen, wenn die Rückstausicherung trotz Wartung versagt. Eine zusätzliche Elementarschadenversicherung hilft weiter, wenn Oberflächenwasser durch Kellerfenster oder Kellertreppe eindringt. Lesen Sie auch: Heftiges Gewitter über OWL sorgte für Blitzeinschlag und Überschwemmungen Tipp 5: Schwellen – kleine Umbauten haben eine große Wirkung gegen Starkregen Eine an das Risiko angepasste Bauweise bietet laut Umweltbetrieb und Umweltamt den besten Schutz gegen Starkregenschäden. Kleine Hubbel mit großer Wirkung könnten Schwellen und niedrige Mauerränder an den richtigen Stellen sein, erklärt Krawietz. „Es reicht manchmal schon, dass man eine Umrandung am Kellerlichtschacht fünf oder zehn Zentimeter anhebt, um zu verhindern, dass Wasser hineinläuft statt vom Haus weg.' Leichte Aufpflasterungen und Schwellen schützen Treppen oder Eingangsbereiche. „Dafür gibt es oft kostengünstige Lösungen', sagt Krawietz. Grundsätzlich gelte es, ebenerdige und abschüssige Zugänge zum Haus zu vermeiden. Im Keller können außerdem wasserdicht schließende Fenster und Türen nachgerüstet werden, wenn Überschwemmungen durch nahe gelegene Gewässer wahrscheinlicher sind oder der Keller zur Lagerung genutzt werden soll. Ganz anschaulich erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in diesem Youtube-Video, wie bauliche Maßnahmen gegen Starkregenschäden aussehen können: Tipp 6: Grün – Schottergärten und Pflasterungen erhöhen die Gefahr Für bessere Versickerung der Niederschläge ins Grundwasser sorgt, wer ums Haus möglichst wenig versiegelt. Ein Schottergarten kann so deutlich wenig Oberflächenwasser aufnehmen als ein bepflanzter Vorgarten, darauf weist der Bielefelder BUND hin. Die Bezirksregierung Arnsberg rät außerdem zu Rasengittersteinen und Rasenflächen auf Wohngrundstücken anstelle von dichten, wasserundurchlässigen Pflasterungen – auch das sei Teil eines wirksamen Schutzes vor Überflutungen. Lesen Sie auch: Unwetter im Kreis Gütersloh – Blitz schlägt in Wohnhaus ein und löst Brand aus Auch hauseigene Zisternen oder kleinere Wassertanks, die abgeleitetes Regenwasser aus den Regenrinnen auffangen, können eine effektive Ergänzung sein. Je nach Größe und Aufwand beim Einbau können diese jedoch teurer werden. Tipp 7: Ausrüstung für den Notfall Sollte der Keller trotz aller Vorkehrungen volllaufen, lohnt es sich, eine Ausstattung für den Notfall auf Lager zu haben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, in gefährdeten Gebieten Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon bereitzuhalten. Auch ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser, ein batteriebetriebenes Radio, eine Taschenlampe, ein Campingkocher und eine Campingtoilette seien für diesen Fall wichtig. Außerdem von Bedeutung: „Denken Sie an Insektenschutzmittel, falls nach dem Rückgang des Hochwassers Mücken und andere Schädlinge ins Haus kommen.'
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