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Tausend Menschen landen in Deutschland jedes Jahr wegen Schwarzfahrens im Gefängnis. Grüne und Linke wollen das ändern. Wie gehen andere Länder mit den blinden Passagieren um?

Der öffentliche Nahverkehr in Stockholm ist gut organisiert und simpel zu bezahlen, seit die Betreibergesellschaft SL die Zonen abgeschafft hat. 890 Kronen, umgerechnet knapp 85 Euro kostet das normale Monatsticket, Jugendliche, Studenten oder Rentner zahlen 590 Kronen.

Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt happige 1500 Kronen, etwa 144 Euro. Allzu oft passiert das aber offenbar nicht - in Stockholm und Göteborg haben sich die Schwarzfahrer schon 2001 in der Gruppe Planka.nu organisiert: Mitglieder zahlen 100 Kronen, etwa zehn Euro, im Monat in eine Art Versicherung ein, die dann die Strafe bezahlt, wenn man gefasst wird. Der Name der Gruppe kommt von dem Wort Planka, der Barriere, die es zu überklimmen gilt. Planka.nu heißt also: Schwarzfahren jetzt, die Gruppe ist höchst politisch und öffentlich und wirbt für kostenlosen Nahverkehr. Dabei kommt ihr der Umstand zugute, dass Schwarzfahren in Schweden kein krimineller Akt ist, für den man im Gefängnis landen könnte. Allerdings kündigten die Behörden an, die Zahl der Kontrollen in diesem Jahr zu verdoppeln, auf dann fünf Millionen. Im vergangenen Jahr hatten die Kontrolleure 30 000 Bußgeldbescheide ausgestellt. Schwarzfahren gilt bei manchen, vor allem jüngeren Einwohnern Santiago de Chiles als politisches Statement, seit dort vor knapp einer Dekade das System"Transantiago" eingeführt wurde. Die völlige Umstellung von Linien, Fuhrpark und Tarifsystem führte damals zu chaotischen Zuständen, die viele Chilenen der Regierung nicht verziehen haben. Auch wenn der öffentliche Nahverkehr Santiagos inzwischen sehr viel besser funktioniert als in vielen anderen lateinamerikanischen Metropolen, liegt die Schwarzfahrerquote noch immer bei gut 30 Prozent. Das hat natürlich nicht nur mit politischer Unzufriedenheit zu tun, sondern auch mit dem starken Einkommensgefälle. Die Fahrpreise werden dem Preisindex angepasst, richten sich also nach Treibstoff- und Unterhaltskosten für den Fuhrpark. Bezahlt wird mit einer elektronischen Prepaid-Karte. Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt umgerechnet zwischen 60 und 90 Euro Strafe, das ist viel angesichts eines chilenischen Durchschnittseinkommens von 12 000 Euro im Jahr. Schwarzfahrer, die nicht sofort ihre Strafe zahlen, riskieren den Eintrag in ein Verkehrssünder-Register, eine Art chilenischer Entsprechung zur Flensburger Kartei. Ihnen drohen schärfere Strafen und Maßnahmen, etwa, dass der Führerschein nicht verlängert wird oder der Staat Steuerrückzahlungen einbehält. Der konservative chilenische Staatschef Sebastián Piñera versucht, gegen die Unbeliebtheit des Transportsystems mit Wort-Kosmetik vorzugehen: Transantiago wurde gerade erst in"Red" umbenannt. Das alte System der Vorgängerregierung habe"zu viel Leid" über die Bürger gebracht. In der Frage, ob der neue Name dazu führt, die Beförderungserschleichung zu verringern, sehen viele Kritiker allerdings schwarz. Sie sind klapprig, aber schneller und wendiger, als man erwartet: die Minibusse, die in Ostafrika den Nahverkehr übernehmen. In Tansania heißen sie"" und gehören meistens privaten Unternehmern. Ein öffentliches Transportwesen existiert praktisch nicht. Entsprechend sind die Regeln auf den-Routen: Der Bus fährt los, wenn er brechend voll ist, und der Preis - ein paar Hundert Tansanische Schilling - steigt bei großer Nachfrage. Schwarzfahren ist in diesem System so gut wie unmöglich. Denn neben dem Busfahrer fährt in jedemmit: eine Art Schaffner, der den Wartenden an der Haltestelle Route und Preis zuruft, die Tür öffnet und schließt - und dann während der Fahrt in bar kassiert. Vor jedem Passagier lässt er die Münzen in seiner Hand springen: eine unmissverständliche Zahlungsaufforderung. Wer etwas länger braucht, um sein Kleingeld hervorzukramen, sollte nicht darauf hoffen, vergessen zu werden - die Hand mit den klingelnden Geldstücken kommt garantiert ein zweites Mal vorbei. Mal nichts Bares dabei? Sogar in diesem Fall kann dermit seinem Geld rechnen. Die Zahlungsmoral in den tansanischen Minibussen ist so hoch, dass sich oft jemand findet, der für den bargeldlosen Passagier mitbezahlt. Wer in New York schwarzfahren will, muss entweder sportlich sein oder aber dreist: Die Drehkreuze an den Zugängen zu den U-Bahnsteigen lassen sich, außer mit Hilfe der Metrocard, nur durch einen beherzten Bocksprung überwinden. Oder aber man schleicht heimlich durch den Notausgang hinein, wenn jemand diesen von innen öffnet, zum Beispiel ein Vater mit Kinderwagen. Jugendliche starten oft eine Kombi-Attacke: Einer macht den Bocksprung - und sperrt den anderen den vergitterten Notausgang auf. In Bussen steigen gerade junge Männer gern hinten ein oder gehen vorne einfach durch: Viele Busfahrer schauen aus Angst vor Ärger weg. Nach offiziellen Schätzungen fahren täglich 210 000 der 5,2 Millionen U-Bahn-Nutzer schwarz, bei Bussen ist die Quote mit 350 000 von 2,2 Millionen Kunden noch deutlich höher. Der Betreibergesellschaft MTA entsteht ein jährlicher Schaden von zuletzt 215 Millionen Dollar. Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, zahlt theoretisch 100 Dollar Strafe, Serientätern droht gar bis zu ein Jahr Gefängnis. De facto aber wird kaum jemand erwischt. Andy Byford, Präsident der New Yorker Nahverkehrsbehörde NYCT, will jetzt zum Äußersten greifen, um des Problems Herr zu werden: Mitglieder der MTA-Hauptverwaltung, die sonst die Bücher führen und Fahrpläne ausarbeiten, sollen verpflichtet werden, ab und zu in Bahnhöfen zu patrouillieren und Beförderungserschleicher am"Bocksprung" zu hindern - indem sie sich mit ihrem Körper in die Flugbahn werfen. Zur Sicherheit soll im Hintergrund Verstärkung bereitstehen.

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